Twitter (was mache ich gerade?)

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    Donnerstag, 23. April 2009

    Linux FUD

    Ich fand ja Linux mal cool, richtig cool. Wenn ich daran zurückdenke, gibt es Momente, wo mich das peinlich berührt. Seitdem Linux quasi kommerzialisiert wurde, hört man aus dem Lager einen ähnlichen Mist, wie aus allen anderen Kommerzschmieden. So kann man bei LWN in einem unlängst erschienen Artikel die folgende Perle lesen:
    He also noted that ext4 is a temporary solution, based on BSD FFS, which is technology from the 70s.
    Also halten wir mal fest: ext4 ist eine Übergangslösung, die die vom Linux-Lager entwickelten Filesysteme ext2 und ext3 ersetzt. Eine Übergangslösung deshalb, weil es auf dem BSD Fast Filesystem basiert, welches angeblich aus den 70ern stammt. Das ist FUD, und damit ganz große Kacke. Die Ursprünge von FFS stammen natürlich aus den 70ern, führt man seine Grundlagen auf das ursprüngliche Unix Filesystem oder das Erscheinen von 1BSD im Jahre 1978 zurück.
    Seitdem ist FFS aber weiter entwickelt worden und hat unter anderem Soft Updates erhalten, was Journaling eigentlich überflüssig macht. Letzteres geht allerdings in den modernen BSDs ebenfalls, und zwar filesystemübergreifend.

    FFS ist bis heute für die normalen Filesystembelange ausreichend, weshalb ja auch UFS im Solaris nach wie vor das Standard Filesystem ist. Wobei Sun ja ZFS entwickelt hat, was wirklich eine großartige Sache ist. FreeBSD hat den Kernel- und Userlandteil portiert. Die Linuxer wollten nicht.
    Statt dessen wird derzeit an einer Reihe von neuen Filesystemen gearbeitet, als würde es bisher keine Auswahl geben. SGI hat XFS gespendet, IBM das hauseigene JFS. Und dann gabs noch Eigenentwicklungen, wie z.B. ReiserFS. Aber darauf gehe ich besser nicht ein, sonst treibe ich gleich einigen Linuxjüngern die Tränen des Mißerfolgs in die Augen.

    Zusammenfassend läßt sich nach dem Genuß derartiger Aussagen nur fragen: "Häää?"

    Mittwoch, 22. April 2009

    Spreeblick: Die Demonstrationskarte geht, aber dauert

    Klaudia wies mich gerade auf ein vermeintliches Problem mit der Karte von Spreeblick hin, bei dem keine Marker aufzutauchen scheinen. Doch, die Karte funktioniert wohl, und man kann der Aktion wohl einiges an Erfolg attestieren: Es haben sich derart viele eingetragen, das die Aufbereitung der Karte eine ganze Zeit dauert und auch wohl einiges an Systemresourcen zieht. Also: Den Webbrowser einfach laufen lassen, irgendwann erscheinen die Marker. Der schwierige Teil ist dann, seinen Heimatort zu finden, weshalb viele Demonstration mittlerweile auf die Nachbarländer und die freie See ausgewichen sind.
    Auf der Spreeblickkarte ist der Großraum Deutschland auf jeden Fall nicht mehr zu erkennen:

    spreekarte

    Zeit zum Trauern: Wir werden von Laien regiert

    Das Captains Log trauert, trauert um eine Demokratie, in der Internetzensur salonfähig wird. In der unter dem Deckmantel der Verbrechensvermeidung Methoden eingeführt werden, die in einer Demokratie nicht förderlich sind, und dieses Land auf einer Stufe mit China stellen.
    China verwendet die große Firewall, um freie Meinungsäußerung zu verhindern. Jetzt darf das BKA, ohne jedwede Kontrolle, eine geheime Sperrliste pflegen. Wer eine solche Seite ansurft, dessen IP wird festgehalten und an die Ermittlungsbehörden weitergeleitet. Der Betreffende wird mit einer Hausdurchsuchung rechnen müssen, und mit einem Verhör, bei dem er darlegen muß, das er nicht absichtlich auf die Seite gesurft ist, um sich Kinderpornographie zu laden.

    Die Implikationen sind noch nicht zu überschauen: Was macht man, wenn plötzlich die eigene Seite gelistet ist, und man damit plötzlich in die Nähe von Kinderpornographie gerückt wird?
    Das Argument, müsse als unbescholtener Bürger ja keine Angst haben, ist lächerlich, da man selbst gar nicht definiert, ob man unbescholten ist.

    Deshalb folgt dieses Blog dem Vorbild von Spreeblick und hüllt sich in schwarz.
    Edit: Mitmachen! Auf der Seite gibt es eine Google Map, auf der man sich als Demonstrant gegen die Internetzensur eintragen kann.
    Edit (2): Und bevor jetzt Kritik kommt, "aber das ist doch alles gegen Kinderpornographie", bitte mal die Artikel bei heise.de durchlesen.

    X.Org autoconfigure und das deutsche Tastaturlayout

    Irgendwer hat ja die große Schreierei irgendwelcher Massen erhört. Seitdem braucht man keine Xorg.conf mehr, weil X.Org sich selbst konfiguriert. Bzw. den hald dafür einsetzt. Der wiederrum benötigt dbus, und beides sind Prozesse, die ich persönlich nicht im System laufen haben möchte.
    Wie dem auch sei, ich habe das mal ausprobiert, und es kam, wie es kommen mußte: X.Org lief, aber eben ohne deutsche Tastatur. Das ist, und da können mal alle Meckerliesen das Mündchen halten, eine der vielen Situationen, in denen PC Hardware nicht durchdacht ist. Apple hatte das Problem damals zu ADB Zeiten nicht. Heute kommt man dafür auf die Idee auf, eine USB-Tastatur könne doch ein Länderkürzel mitgeben. Das ist ja fast schon... modern. Ähnlich modern wie ATX und die Möglichkeit, einen Rechner softwaregesteuert auszuschalten. Das konnten die guten alten Macs auch schon. Das ist aber ein anderes Thema...

    Es stellt sich nach wie vor die Frage, wie man bei einem über hald konfigurierten X denn ein anderes Tastaturlayout einstellt. Die Lösung fand ich über Umwege beim Lesen des Beitrags Good experiences with X.Org autoconfiguration, weil in einem Kommentar auf Xorg 7.4, hald and a German keyboard verlinkt wurde.
    Die Antwort kann einfacher und gleichzeitig lächerlich nicht sein: Wenn man keine Xorg.conf mehr pflegt, bearbeitet man einfach eine XML-kodierte policy-Datei für den hald.
    Oder man verwendet einfach die gute, alte X.Org Konfigurationsmethode und kann sich hald und dbus sparen.

    Freitag, 17. April 2009

    Spaß mit Haskell

    Ich bin ja seit einer Weile auf der Suche nach einer faszinierenden, effektiven Programmiersprache, und habe mich deshalb mit Lua und Python beschäftigt. Nicht ins Blog geschafft hat es erlang, obwohl das eine wirklich faszinierende Sprache ist. Zumindest unter FreeBSD hat sie aber Abhängigkeiten zu Java, und das fand ich ganz schön abschreckend. Ich weiß, das Erlang damit nichts am Hut hat, ich konnte aber nicht in Erfahrung bringen, ob es auf der JVM aufsetzt, oder nur zum Build notwendig ist.
    Lua ist eine schöne, kleine Sprache mit einem eleganten Sprachschatz. Hier hatte ich bedenken, ob es möglich ist, größere Projekte stabil zu verwirken, Shell- und Perlscripte neigen ja auch dazu, irgendwann instabil zu werden. Ja, ich weiß, mit der nötigen Disziplin kann man das umgehen, und mit der ZSH habe ich eine Shell gefunden, die sowohl eine mächtige Scriptsprache wie auch ein einfaches Typesystem zur Verfügung stellt. Von echten Arrays und Hashes mal abgesehen. :-)
     
    Wie ich genau eigentlich auf Haskell kam, weiß ich nicht genau. Auf jeden Fall stolperte ich über einige Tutorials im Netz, bei denen ich zwischendurch echt Kopfschmerzen bekam. Gut, sich eingangs mit dem Lambda Kalkül (Wikipedia) zu beschäftigen ist trocken und recht unverständlich, obwohl es mit Das gefürchtete Lambda Kalkül eine nette Einführung gibt (danke nochmal Rhalina für den Link!)
    Dann kam aber das Buch Real World Haskell vom O'Reilly Verlag, und letzte Tage bin ich über Learn You A Haskell gestolpert. Seitdem experimentiere ich mit Lazyness, Lists und List comprehensions. Ich bin also quasi im 1. Kapitel von Learn You A Haskell<> (LYAH), und im 3. Kapitel von Real World Haskell (RWH).
     
    Ja, und seitdem beseelt mich bei der Beschäftigung mit dieser Sprache sowas wie kindliche Begeisterung. Um nicht zu sagen: Haskell ist cool. Lazyness ist ein echt nützliches Werkzeug, und Haskell erweist sich als sehr ausdrucksstarke Sprache:
     
    Nehmen wir z.B. eine Reihe von Listen, die Tiere enthalten:
    animals=["hund","katze","maus"]
    animals'=["elephant","hai","huhn"]
    animals''=["schnecke","grashuepfer","marienkaefer"]
    
    carnivores=["hund","katze","tiger","loewe","baer","hai"]
    fishes=["hai","delphin","lachs","goldfisch"]
    Werden diese Listen in den Interpreter ghci geladen, kann man mit ihnen interessante Dinge ohne großen Aufwand anstellen:
     
    *Main> [ x | x <- animals, x `elem` carnivores ]
    ["hund","katze"]
    *Main> [ x | x <- animals', x `elem` fishes ]
    ["hai"]
    *Mai>
    Hier wird praktisch die Liste animals ausgelesen und damit eine neue Liste erzeugt, wobei nur Elemente berücksichtigt werden, die auch in der Liste carnivores vorkommen. Im zweiten Beispiel werden aus der Liste animals' die Fische extrahiert. Das finde ich schonmal schick ausdrucksstark.

    Dienstag, 14. April 2009

    Tausch statt Gold

    Das der Verkauf von virtuellem Gold in (bzw. ausserhalb von) Rollenspielen ein immer größeres Problem darstellt (Gulli), finde ich schon faszinierend. Auf der anderen Seite gibt es, gerade was Rollenspiele angeht, sicherlich eine recht einfache Methode, das zu beheben: Gold und andere Zahlungsmittel abschaffen.
    Die meisten Rollenspiele erschaffen Fantasy-Welten. Es gibt keinen Grund, warum diese Gold oder andere Zahlungsmittel verwenden sollten. Wie wäre es mit einem System, bei dem der Spieler sich die Rohstoffe für einen Gegenstand, sei es nun ein Schwert, eine Rüstung oder Schreibutensilien, erstmal besorgen muß. Damit Farmer nun nicht einfach hingehen und Rohstoffe in großen Massen verkaufen können, wird im Account des Spielers festgehalten, dass er die Rohstoffe selber geholt hat.
    Mit diesen geht er dann zum Goldschmied, Lederer und so weiter und so fort, und fragt, was er tun muß, um den gewünschten Gegenstand zu erhalten. Der Spieler wird hier also auf eine kleine Quest geschickt. Natürlich bekommt er seinen Gegenstand nur, wenn sein Account die Infos enthält, das er alle Rohstoffe selbst geholt hat.
    Fantasymäßig umsetzen könnte man das z.B. mit einer Art Aura, die ein Gegenstand oder Rohstoff von seinem Besitzer annimmt. Beim "Ernten" eines Rohstoffs geht die Aura auf diesen Stoff über, und kann von wichtigen Figuren gelesen werden. Ein Schmied kann dann z.B. das Schmieden eines Schwertes ablehnen, wenn der Spieler den Rohstoff nicht selber besorgt hat.
    Gibt der Schmied das Schwert an seinen Kunden, erthält das Schwert wiederrum die Aura des neuen Besitzers. Gibt der das Schwert weiter, hat es die alte Aura. Hier könnte man spielerisch ein System erstellen, indem man mit einem fremden Schwert zwar noch kämpfen kann, dieses aber weniger Schaden macht.
    Um Tauschen zu ermöglichen könnte man hier und da Magier platzieren, die in der Lage sind, die Auren umzuprägen. Die könnten dann auch gleich nachhalten, wie häufig ein Spieler etwas umprägen wollte. Und das irgendwann verweigern.
     
    Im Spiel könnte man hier und da Gegenstände platzieren, die man finden kann, und die ggf. weiter gegeben werden können. Diese sollten aber nicht so schwer zu bekommen sein, als das sich hier ein kommerzielles Farming lohnen würde. Andererseits können sie aber schon so interessant sein, das erfahrene Spieler damit befreundete Neulinge wollen.
    Im Raid bietet sich ein Teammodus an, bei dem die erbeuteten Gegenstände solange neutral bleiben, bis sie zugeteilt werden.

    Freitag, 10. April 2009

    Besser online mit Twitter

    Twitter ist seit seinem Start vermutlich der Online-Dienst, der die meiste Schelte einstecken mußte. Vor allem deutsche Nutzer scheinen mit den auf 140 Zeichen begrenzte Nachrichten und dem "Follow me"-Prinzip so ihre liebe müh zu haben. Nicht selten bekommen ja schon Blogs eines über den Deckel gezogen, von wegen Klowände des Internets und dergleichen. Twitter erfährt meist noch eine Steigerung, nach dem Motto, die User würden einfach alles twittern, was sie gerade machen. Und sei es, das sie auf dem Klo sitzen oder abspülen.
    Zwar gibt es in der Tat Benutzer, die über Alltäglichkeiten in 140 Zeichen schreiben, aber wie auch bei Blogs wird man nicht dazu gezwungen, diesen Menschen zu folgen. Mal davon abgesehen, das es nett sein kann, sowas zu lesen, vor allem, wenn man sich in den Postings selber wieder erkennt. Ansonsten gibt es auch genug Benutzer quer über den Globus, die man auf diese Art und Weise erleben kann. Was ich persönlich als Bereicherung empfinde, weil es Einblicke in andere Kulturen und Lebensgewohnheit gibt. Englische Sprache als gemeinsamer Nenner mal voraus gesetzt.
     
    Nach 1414 Updates in meiner Twitter-Timeline stelle ich aber fest, das sich meine Online Gewohnheiten geändert haben, bzw. Twitter eine Reihe angenehmer Aufgaben übernehmen kann: Es reduziert den Informationsüberfluß.
    Das mag komisch klingen, wenn ein neuer, zusätzlicher Dienst dies kann. Ich glaube wir sind es eher gewohnt, das mit jeder Neuerung mehr Informationen dazu kommen. Deshalb im folgenden einige Standpunkte, wo ich die Stärken von Twitter im Vergleich zu bestimmten Diensten sehe:
     
    Twitter vs. Webseiten
    Das ist denke ich einfach: Hier ersetzt Twitter einen RSS-Reader, ich bin also nicht darauf angewiesen eine bestimmte Homepage zu besuchen, um zu schauen, ob es überhaupt Neuigkeiten gibt, die mich interessieren. Wobei ich dazu sagen muß, dass ich Webseiten, die keinen RSS-Feed für ihre Neuigkeiten anbiete, eh nicht mehr besuche, weil ich auch einfach nicht dran denke.
     
    Twitter vs. Newsletter
    Meine Postfach leidet an notorischer Überflutung, und das letzte, auf das ich Lust habe sind ellenlange Newsletter im HTML-Format mit aufwendigem Layout und nachzuladenden Bildern. Wer etwas auf Twitter loswerden möchte, z.B. einen Verweis auf eine neue Softwareversion, muß dies in 140 Zeichen inkl. URL tun, und sich damit auf das wichtigste beschränken. Somit sehe ich auf einen Blick, ob sich das Klicken lohnt, oder nicht.
     
    Twitter vs. RSS-Reader
    Ich habe eine Vielzahl an Interessen, sowohl beruflicher als auch privater Natur, die sich in meiner Blogroll widerspiegeln. Was aber auch dazu führt, das ich jeden Morgen mit der Meldung begrüßt werde, es gäbe "+1000 new items". RSS ist informationstechnisch ein Desaster. Klar, der Reader merkt sich alle neuen Beiträge und ich kann keinen verpassen. Das weckt in mir aber auch das Bedürfnis, alle zu lesen, um eben nichts zu verpassen. Vor allem RSS-Feeds, die themenübergreifende Nachrichten verbreiten bieten hier eine Flut an Informationen, die man durch anlesen erstmal kanalisieren muß.
    Im Gegensatz dazu ist die Twitter Timeline nur synchron, solange ich online bin, und eben über jeden neuen Tweet informiert werde. Dabei reicht meistens ein Blick um festzustellen, ob es etwas interessantes ist, oder eine einfache Meldung, die man ohne weitere Aktion so stehen lassen kann. Wobei man sich frische Tweets noch nicht mal anschauen muß: Die meisten Clients merken sich den zuletzt gelesenen Tweet, und man kann sich alle neuen zu einem beliebigen Zeitpunkt in einem Rutsch anschauen. Das ist nicht nur praktisch, sondern lenkt nicht von dem ab, was man eigentlich gerade macht.
    D.h. also das ich vielen Autoren, Herstellern und auch Projekte folge, die auch auf Twitter über Neuheiten informieren und ggf. in ihr Blog verlinken. Dazu gehören z.B. Sun Techniker, die an Solaris oder ZFS beteiligt sind, Projekte wie FreeBSD und OpenSolaris, aber eben auch Firmen und Organisationen aus dem heidnischen/spirituellen Bereich.
    Ich selbst nutze die Möglichkeit, auf neue Blogbeiträge hinzuweisen, ebenfalls. Da ich sowohl in der Public Timeline auftauche, wie aber auch in der Timeline meiner Follower, kann ich gezielt über etwas vermeintlich interessantes informieren, was auch neue Leser anzieht.
     
    Twitter vs. Foren
    Eine Anmeldung in einem Forum bringt meistens eine gewisse Verpflichung mit sich, zumindest wenn man zu der Community dazu gehören möchte. (Ich spreche hier also noch nicht mal über die Foren, die bei einer Suche aufgetaucht sind, und bei denen man sich anmelden muß, um die Ergebnisse einzusehen. Wo man anschliessend sowohl Account wie auch Mitgliedschaft vergisst.)
    Ähnlich wie bei einem RSS-Feeder besteht auch hier der Antritt, die neuen Beiträge und Threads zu lesen, und ggf. darauf zu antworten, weil eine solche Community anders schlecht funktionieren würde.
    Neben meinen Followern, die ich bereits oben genannt habe, folge ich Menschen, mit denen ich meine Interessen teile. Wobei ich immer die Möglichkeit habe, damit aufzuhören, wenn ich feststelle, dass mich eine Timeline doch nicht großartig anspricht.
    Ja, das ist ein Stück weit oberflächlich, weil ich mein Gegenüber nicht wirklich kennenlerne. Das ist aber in großen Foren auch nicht der Fall, weil auch dort Sachen vorgespielt und unter den Tisch fallen gelassen werden, aber das muss auch garnicht. Um Menschen in der Tiefe kennen zu lernen oder mich intensiv mit ihnen zu unterhalten, gehe ich abends lieber nach draussen und mache das in einer geselligen Runde. Und da hat Twitter einfach den Vorteil, mir Luft und Zeit zu verschaffen, die ich anderweitig in einem Forum verbringen würde.
    Auch Foren, die eine Hilfestellung bieten, wie z.B. Supportforen, kann Twitter ersetzen: Einfach die eigene Frage oder das Problem schildern und schauen, ob nicht einer der Follower eine Antwort hat.
    So folge ich vielen, die auf "pagan" hören, sich für funktionale Programmierung und insb. Haskell interessieren, etwas mit Solaris oder FreeBSD zu tun haben, und allen möglichen anderen Leuten, von den ich einige lese, weil ich sie an sich einfach interessant fand. Von wegen dem Blick über den Tellerrand, und so.
     
    Das Twitter-Ökosystem
    Rund um den eigentlichen Dienst Twitter hat sich mittlerweile ein ganzes Ökosystem entwickelt. So gibt es die sogenannten Hashtags, Schlüsselwörter, denen ein # voran gestellt wird, wie z.B. #ostern #karfreitag. Man kann nach ihnen suchen, sich auf hashtags.org anschauen, welche gerade aktuell sind, bei deutsche-twitter-trends.de auch auf Deutsch. Dabei wurde die Suche recht weit entwickelt, viele Clients unterstützen die regelmäßige Suche danach, bilden also sowas wie eine Timeline nach #hashtags. Im Gravity habe ich z.B. #g20 und #goodnews eingestellt.
    Die sogenannten Retweets (kurz RT) tauchten zuerst in Twitter-Clients auf. Sie werden, ähnlich wie bei der Weiterleitung einer Mail, dazu verwendet, einen bestimmten Tweet über die eigene Timeline weiter zu verteilen. Quasi eine recht einfache Funktion für ein soziales Netzwerk.
    wefollow.com ist ein Twitter Userverzeichnis, wo man sich mit den passenden #hashtags selber eintragen kann. Wer Gruppen mag, kann sich mal twittgroups.com anschauen.
    Wem während einer Diskussion mal der Überblick in seiner zweidimensionalen Timeline verloren geht, kann über twitterthreads.com eine geschachtelte Struktur erhalten.
    Mit twittervision.com gibt es einen Dienst, der die Tweets auf einer Weltkarte anzeigt, vorausgesetzt, der Benutzer hat seine Lokation eingtragen. Was vor allem natürlich nett anzuschauen ist.
    Edit: Jetzt hätte ich die beiden wichtigsten - zumindest für mich - beinahe vergessen: twitpic.com und mobypicture.com sind zwei Dienste, auf die man Bilder hochladen kann, die man dann direkt in einem Tweet verlinken kann. Viele Clients unterstützen den Prozess quasi vollautomatisch: Bild auswählen, Text dazu schreiben, und los. Großartig, wenn man unterwegs ist, und kurz ein Bild loswerden möchte. Mobypicture ist dabei recht neu und glänzt durch die Möglichkeit, das Bild zusätzlich auf einer anderen Seite, wie z.B. flickr oder auch im eigenen Blog, zu posten. Das habe ich mir aber noch nicht angesehen.
    Edit (2): Und noch zwei Dienste bzw. Diensttypen habe ich vergessen: Da 140 Zeichen nicht viel sind, macht es Sinn, URLs zu kürzen. Dafür bietet sich entweder der Klassiker tinyurl.com, oder einer der vielen Ableger an. Nennenswert finde ich hier tr.im (ja, die URL ist vollständig), was nicht nur schön kurz ist, sondern sich als das englische Wort trim auch noch gut merken läßt. Das schöne an tr.im ist, das man hier sehen kann, wie oft die gekürzten URLs aufgerufen wurden. (Vorausgesetzt man mag Statistiken und hat Cookies aktiviert.)
    Ebenfalls nennen möchte ich das recht neue tweetsmap.de: Hier kann sich jede/r Interesierte mit Location eintragen. Im Gegensatz zu twittervision dient tweetsmap eher als Übersicht, wo ein Twitterer sitzt. Entweder einfach nur so, oder um sich mal zu treffen und kennen zu lernen. Auch nett bei Dienstreisen und Ausflügen.
     
    Bei Zusatzdiensten vielleicht ein wenig Vorsicht walten lassen: Viele benötigen UseriD und Passwort, um ihre Arbeit verrichten zu können. Und davon halte ich immer noch nichts, auch wenn das mittlerweile gerade im sogenannten "Web 2.0" eine grassierende Seuche ist.
     
    Mein Fazit: Twitter ist großartig, und viele Möglichkeiten haben sich erst nach einer ganzen Weile der Benutzung ergeben. Twitter ersetzt mittlerweile wirklich in weiten Teilen meinen RSS-Reader, ich kann mich ganz auf unser lokales Heidenforum konzentrieren, und ansonsten einfach mal schauen, was in der Welt los ist. Generell verpasst man nichts, wenn die Timeline mal stunden- oder auch tagelang an einem vorbei gegangen ist. Aber das ist im Urlaub ja auch so, wenn man den Fernseher und die Nachrichten mal ausläßt.
    Im Gegenteil: Hier ist weniger oftmals mehr und läßt Zeit für andere Dinge.

    Donnerstag, 9. April 2009

    Knuffig: Steueridentifikationsmerkmal ist kein Verwaltungsakt

    Ich hatte, nachdem meine höchst eigene, bundeseinheitliche Steueridentifikationsnummer* bekommen zuhause ankam, Widerspruch gegen die Zuweisung eingelegt.
    Heute kam dann ein freundliches Schreiben vom Bundeszentralamt für Steuern. Rechts oben ein schwarz/graues, aus Punkten bestehendes "D", daneben die Worte "Freiheit, Einheit, Demokratie". In diesem Schreiben, das keinen Bearbeiter erkennen läßt, wird mir mitgeteilt, dass derzeit beim Finanzgericht Köln mehrere allgemeine Leistungsklagen nach § 40 Abs. 1 letzte Alternative Finanzgerichtsordnung (FGO) und Feststellungsklagen nach § 41 FGO gegen die Zuteilung der Steueridentifikationsnummer* abhängig seien, Urteile aber noch ausstünden.
    In diesem Schreiben wird mir nahe gelegt, das Einspruchsverfahren ruhen zu lassen, bis die Urteile da seien. Sollte ich eine Vortführung des Verfahrens wünschen solle ich dies mitteilen, in diesem Falle müßte der Einspruch aber abgelehnt werden. Die Zuteilung des Steueridentifikationsnummer* ist aber nach behördlicher Auffassung kein Verwaltungsakt.
     
    Bitte was ist diese Nummer nicht? Bzw. was ist die Steueridentifikationsnummer* denn, wenn es kein Verwaltungsakt ist? Ist die nicht dafür da, den Austausch von Daten zu erleichtern, und hat das nicht sogar ausschliesslich Verwaltungsgründe? Wobei: Freunde von uns haben ja unlängst erfahren, dass das mit der Steueridentifikationsnummer* von der Wiege bis zur Bahre wörtlich zu nehmen ist. Kurz vor Weihnachten kam ihr Sohn auf die Welt, eine Woche später bekam er seinen ersten, eigenen Brief. Und der war nicht von der Kinderlebensmittelzubehörindustrie...
     
    *) Ich fühle mich immer häufiger an die dystopische Rollenspielwelt von Shadowrun erinnert: Dort kommt es nach den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts zu einem immer größeren Einfluß der großen Firmen. Um 2060 herum, wo das Rollenspiel ansetzt, gibt es dann zwei große Gruppen von intelligenten Lebewesen: Diejenigen, die eine SIN besitzen, und die SINlosen. SIN steht bei Shadowrun zwar für "Systemidentifikationsnummer", aber das in diesem Zusammenhang auch nicht mehr als Wortklauberei.
    Spannend ist, das SINlose bei Shadowrun ausserhalb des Systems stehen, keine Versicherungen haben und damit auch keine Rechte auf irgendeine staatliche Versorgung. Das alles klingt irgendwie erschreckend realistisch...

    Das Konjunkturprogramm -- jeder darf mal ran

    Im Rahmen des Konjunkturprogramms II sollen eine Millionen IT-Sicherheitskits im Gesamtwert von 30 Millionen Euro verteilt werden.
    Großartig, was man mit der Finanzkrise alles machen kann: Ein neuer Ausweis mit digitaler Signatur soll die Wirtschaft ankurbeln, und den kleinen und mittelständischen Unternehmen neue Aufträge bringen. Ich kann mich ja irren, aber wenn ich das mit dem Kapitalismus richtig verstanden habe, kann man nur große Massen kostengünstig produzieren. So viele Firmen werden davon also wohl nicht profitieren. So eine, oder zwei vielleicht.
    Ach, und dann ist ja noch die Frage des Datenschutzes, und in welchem Rahmen dieser Ausweis mit seinem Chip überhaupt verwendet werden darf, oder ob es irgendwann einen Nutzungszwang geben wird.
    &nbsp
    Ach Mensch, zwei Tage hänge ich wieder an meinem RSS-Reader, und schon kommt mir die Galle hoch.

    Vertrauen zwischen den Geschlechtern

    Nach meiner Auffassung ist es Aufgabe unseres Rechtssystems für einen sicheren Rahmen zu sorgen, in dem sich alle in seinem Gültigkeitsbereich befindlichen Menschen bewegen können. Es geht dabei darum, eben für die (vielleicht auch trügerische) Sicherheit zu sorgen, dass, wenn einem Unrecht widerfährt, jemand da ist, der für Gerechtigkeit sorgt. Dafür sind Strafen ja da: Diejenigen, die sie vielleicht begehen wollen, einzuschüchtern.
     
    Wenn sich jetzt eine Frau mit einem Mann trifft, und es im Laufe dieses Treffens zu einer Vergewaltigung kommt, bei der die Frau gefesselt und mit Messerstichen verletzt wird, dann erwarte ich, dass dies entsprechend geahnded wird. Ein solcher Fall ist eindeutig, hier muß niemand versuchen herauszufinden, ob die Frau das vielleicht nur erzählt, um den Mann in Unglück zu stürzen, ihr Körper spricht eine deutliche Sprache.
    Was ich nicht erwarte ist, dass nach einer erfolgreichen Schadensersatzklage der Frau der Mann hingeht, den Betrag anfechtet, und ihm vom Gericht recht gegeben wird, wie unlängst das OLG Saarbrücken (SpOn):
    Das OLG Saarbrücken reduzierte die Schmerzensgeldzahlung in einem späteren Urteil - weil H. sich "aus freier Entscheidung in eine für sie verfängliche Situation" begeben habe.
    [...]
    Am OLG Saarbrücken sieht man das anders. Pressesprecherin Margot Burmeister: "Bei der Bemessung des Schmerzensgeldes spielt eine Rolle, ob ohne das Zutun des Opfers eine Situation entstanden ist, in der es zu sexuellen Übergriffen kommen konnte - oder ob das Opfer zu dieser Situation beigetragen hat."
    Im vorliegenden Fall sind Alkohol mitsamt Trinkspielen und Ausziehen beteiligt, trotzdem hat die Frau, als es ums küssen und weitere sexuelle Handlungen ging, nein gesagt, sich gewehrt und hat mehrfach versucht, zu fliehen.
    Die Begründung vom OLG Saarbrücken finde ich hanebüchen, weil hier die verkorkste Weltanschauung hintersteckt, das wer sich auszieht, auch Sex will. Selbst wenn man an sowas denkt, sollte man vielleicht auch auf das Alter der Frau schauen:
    Ein- bis zweimal in der Woche arbeitete Sandra H.* in einer Gaststätte, ein Nebenjob, während sie für das Fachabitur büffelte.
    Erstaunlich ist hier zweierlei: Der große Altersunterschied einerseits sowie das Verhältnis der beiden zueinander (er war der Chef, sie die Angestellte, es bestand also ein Abhängigkeitsverhältnis) andererseits.
     
    Von der ganzen Situation mal abgesehen ist das ein unwürdiges Urteil, das, wie Frau Stolle im Beitrag richtig feststellt, ein Rückfall in die Denkweise der 60er Jahre darstellt. Betrachtet man mal das ganze Ausmaß dieses Urteils, bedeutet es, dass eine Frau sich nicht alleine mit einem Mann treffen darf, weil sie mit einer Vergewaltigung rechnen müsse. Oder anders herum wird hier quasi indirekt unterstellt, jeder Mann sei ein potentieller Vergewaltiger.
     
    Prinzipiell folgt daraus also, das Frau sich nicht auf ein klassisches Date einlassen darf. Und das ist eine Vorstellung, die mir echt nicht behagt. Gut, es ist ein Urteil, und das letzte Wort ist hier wohl nicht gesprochen, bzw. ist die Wahrscheinlichkeit groß, das andere Gerichte anders entscheiden werden. Trotzdem halte ich eine derartige Rechtssprechung für sehr gefährlich.

    Mittwoch, 8. April 2009

    Terrorverdächtige: Die neuen Hexen

    Während des sogenannten dunklen Zeitalters gab es die sogenannte Hexenverfolgung (wikipedia), die vor allem Frauen traf. Dabei war allen Frauen gemein, dass ihnen aus einer Vielzahl an Gründen eben Hexerei und Zauberei wurde, woraufhin sie gefangen genommen und einem Verhör unterzogen wurden.
    Verhör ist dabei, für aufgeklärte und moderne Menschen des neuen 21. Jahrhunderts ein sehr relativer Ausdruck, beinhaltet er doch die Folter mit einer Vielzahl lustiger Instrumente, die hinreichend die perverse menchliche Phantasie für die Entwicklung und den Bau von Tötungsmaschinen aufzeigen.
     
    Nun, man könnte froh sein, in unserer heutigen Zeit zu leben, wo man weiß, dass unter Schmerz erzwungene Geständnisse genau das enthalten, was der Folterer beabsichtigt. Wobei, das Thema Folter steht seit einigen Jahren ja wieder hoch im Kurs, von wegen CIA, Waterbording und so. Und wenn man sich dann noch den Bericht des internationen roten Kreuzes wegen der Beteiligung von Medizinern an Folterungen zur Gemüte führt, wird es mal wieder Zeit für eine gepflegte, eiskalte Gänsehaut.
    Dazu passt dann ja auch die Meldung das deutsche Behörden erwägen, künftig auch unter Folter erlangte Geständnisse vor Gericht zuzulassen.. Ich bin ja mittlerweile der Meinung, das wir uns garnicht so weit entwickelt haben seit diesem dunklen Mittelalter. Während die Menschen damals ihren Voyeurismus bei öffentlichen Hinrichtungen befriedigt haben, gibt es heute Privatfernsehen, das vom Niveau meistens auch nicht sehr viel höher liegt. Die Akzeptanz von Folter im deutschen Rechtssystem ist dann vielleicht nichts mehr als der nächste logische Schritt, quasi eine Rückkehr zu fundamentalen christlichen Werten der neuen deutschen Leitkultur, die ja von einigen gefordert wird.
     
    Wobei ich ja erstaunt bin über die Begründung, und die macht mir ehrlich gesagt eine Menge Angst. Ich war mal für Europa, und fand die Vorstellung toll, in einem großen, friedlichen Staatenbund zu leben. So ähnlich wie die Föderation in Star Trek, aber eben ein wenig kleiner. Gut, das war auch in den 90ern, seitdem ist eine Menge geschehen, vor allem "9/11", und Captain Picard und seine Crew sind out.
    Damals hätte ich nicht damit gerechnet, dass wir uns dann in Europa auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner einigen: Wir sollen Folter vor Gericht akzeptiert, weil wir ja in einem großen, komplexen Staatengebilde leben und eben in einigen Ländern gefoltert wird. Ja bitte, mal ehrlich: Wenn die in einigen europäischen Ländern foltern, warum sind das dann europäische Länder??? Die Türkei will man ja u.A. deshalb auch nicht in die EU lassen? Anderort kann man doch auch ganz toll politischen Druck ausüben...
     
    Genauso schlimm ist, das die islamische Terrorgefahr einfach alle Mittel heiligt, da können Ethik und Moral und ein modernes, aus bestimmten Gründen gewachsenen deutsches Rechtsverständnis einfach mal hinten an steht.
    Und da muß ich sagen, habe ich keine Angst vor einem islamischen Terrorismus, der mit einem Bombengürtel durch die Gegend läuft, um nur endlich zu seinen 70 Jungfrauen zu kommen, sondern vielmehr vor den Politikern, die sich tagtäglich dem Kampf gegen den Terror widmen.
    Um nicht zu sagen, das Politiker, die schamlos alle Einschnitte im Rechtssystem und der persönlichen Freiheiten mit dem Terrorismus und auch Kinderpornographie begründen, die wahren Terroristen des 21. Jahrhunderts sind. Denn Terror bedeutet nichts anderes, als Angst und Schrecken zu sähen, und nichts anderes tun diese Damen und Herren.
     
    Edit: Was mir gerade noch einfällt: Für die Bundesregierung ist das eigentlich ein geschickter Schachzug, zu sagen, man lehne Folter ab, könne ein solcherart gewonnenes Geständnis vor Gericht aber nicht abhlehnen. Es steht immer noch der Verdacht im Raum, Deutschland habe bei Entführungen weg geschaut oder nicht eingegriffen. Von daher könnten auch Terrorverdächtige in Deutschland einfach ins folternde Ausland geschaffen werden. Wegen der eigenen weißen Weste und so.
    Aber vielleicht bin ich auch einfach nur zu paranoid und unserer Bundesregierung gegenüber zu negativ eingestellt.

    Unbekannte Pflanzenwelt

    Wer gerne liest und die Tage bei einem gute sortierten Zeitschriftenladen vorbei kommt, dem (oder der) sei die aktuelle PM, vor allem der Artikel "Tut das dem Salat weh?" (S. 86, PM 4/2009) ans Herz gelegt.
     
    Auch wenn das etwas reisserisch klingt gibt der Artikel einen netten Überblick über die Inhalte des Buches "Alles fühlt" von Andreas Weber (BVT Verlag, ISBN 978-3-8-3333-0423-1).
     
    Kernaussagen des Artikels, und auch des Buches, sind:
    • Pflanzen reagieren auf ihre Umgebung durch äußere Reize und innere Signale: Sie haben eine innere Imunabwehr, können teilweise Schädlinge die sie erkennen und entsprechende Hilfe rufen, können gegen innere Schädlinge gezielt durch Zelltod und Säuren vorgehen, und können sich bei Schädlingsbefall untereinander durch Düfte informieren.
    • Aus der "Pflanzensprache" sind mittlerweile 1000 Duftvokabeln bekannt
    • Pflanzen haben eine Selbsterkennung (sie können z.B. eigene von fremden Wurzeln unterscheiden) und auch auf Nachbarn in der Umgebung reagieren, z.B. indem sie ihre Wuchsrichtung ändern.
    • Pflanzen können selbständig Entscheidungen treffen und diese Entscheidung in einem "generationenübergreifenden Gedächtnis" speichern

     
    Die Frage der Schmerzempfindung läßt der Artikel offen, Andreas Weber läßt in seinem Buch aber mehrmals durchblicken, dass Pflanzen bei Verletzungen organismusweit reagieren können, was eine Reizleitung nahelegt, die unserem Schmerz entspricht.
    Der große Unterschied, so Weber, ist allenfalls, dass Pflanzen ihre Reize und Impulse sowohl sehr viel langsamer, als auch auf eine dem Menschen nicht ersichtliche Art und Weise verarbeiten.
    Hier kommt schliesslich die Empathie, also die Fähigkeit, Gefühle anderer nachvollziehen zu können, ins Spiel: Unsere und auch den tieren gemeine Funktion der schnellen Reizverarbeitung und ähnlicher Ausdrucksweisen macht es möglich, auch ohne verbale Kommunikation Signale interpretieren zu können. Wir können Schmerz, Trauer, aber auch Liebe, Freude und Hingabe am Körper des Gegenübers festmachen, was uns bei Pflanzen nicht gelingen kann.
     
    Die spannende Frage heißt deshalb: Was bedeutet das für uns?
     
    Prinzipiell verschwinden hier die Unterschiede zwischen fleischlichen und pflanzlichen Lebewesen -- und damit wird die Definition von niederem Leben auf der einen, und höherem Leben auf der anderen Seite überholt bzw. als falsch entlarvt.
     
    Mich persönlich bestärkt dieser Exkurs in meinem Weltbild, das Leben gleichwertig ist, und das alles beseelt ist (einer der Kernelemente des Schamanismus). Somit haben alle Lebewesen bestimmte Rechte, die es zu erhalten gilt, und somit ist es auch egal, ob man Tiere ißt, oder nicht.
    Eine Karotte hat dasselbe Recht zu leben, wie ein Hase, selbst wenn sie auf seiner Speisekarte steht. Deshalb stehen Hasen mitsamt Karotten auch auf meiner. ;-)
    Beiden Lebewesen gebührt mein Dank dass sie mir durch ihren Tod mein Weiterleben ermöglichen.
     
    Das ist auch schon eine der Balance: Nur wenn ein Gleichgewicht besteht, herrscht Ruhe. Während in Argentinien und anderswo große Gebiete Regenwälder für die Rinderhaltung abgeholzt werden und somit als wertvolles Land verloren gehen, geschieht in Brasilien dasselbe -- für Soyabohnen.
    Wobei, was dieses Thema angeht haben wir natürlich ein Ungleichgewicht zu Gunsten der fleischproduzierenden Industrie. Was aber weniger daran liegt, das die Menschen Fleisch essen, sondern vielmehr, das sie zuviel Fleisch essen.
    Das ist einer der vielen unrühmlichen Nebeneffekte der Globalisierung und der westlichen Kultur: Würden wir unseren Fleischkonsum auf ein gesundes Maß reduzieren und das Fleisch aus lokalen Quellen beziehen, bräuchte man sich über solche Dinge gar keine Gedanken machen.
     
    So, jetzt sind wir eine große Runde über eine bis dato* unbekannte Welt der Pflanzen über Glaubensdinge bis hin zur Ernährung geflogen. Abschliessend möchte ich Euch nochmal das Buch von Andreas Weber ans Herz legen. Es ist ein wundervolles Werk und weiteres Beispiel dafür, dass nicht alles, was wir kennen und wir uns noch nie Gedanken gemacht haben, anders sein kann, als es scheint.
    Wo wir letzten Endes wieder bei der Wahrnehmung und Definition von Realität angekommen wären, also einem wirklich magischen Thema. Am Ende entführt uns das in die Vorstellungswelt indigener Kulturen...
     
    Kleiner Hinweis: Diesen Beitrag habe ich ursprünglich auf hexentreff.net gepostet. Da ich das Thema aber spannend finde erscheint er auch hier, in leicht abgewandelter Form.

    Montag, 6. April 2009

    Liebe Mittelalterfans, zieht Euch warm an -- Jugendamt verbietet Mittelalterlager

    Folgendes konnte man gerade bei Isotopp lesen, der es wiederrum von derwesten.de hat:
    Das Jugendamt in Dortmund hat am Donnerstag ein mittelalterliches Spektakel abgesagt, das in der ersten Osterferienwoche in der Jugendfreizeitstätte Hombruch laufen sollte. „Nach dem Amoklauf von Winnenden”, so Fachbereichsleiterin Elisabeth Hoppe, „muss das Konzept noch einmal auf den Prüfstand”.„Tremonias Erben III” stand ursprünglich auf dem Spielplan.

     
    Links
     
    Da darf man sich schon fragen, ob nicht demnächst auch aus Gründen der Gewaltprävention Mittelaltermärkte wie z.B. das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum abgesagt werden.
     
    Ernsthaft: Wir befinden uns auf einem recht kritischen Kurs: Jungen brauchen die Auseinandersetzung mit Aggression, und ein Stückweit auch mit Gewalt und Tod. Auch wenn ein Junge die Tragweite und Bedeutung des Wortes "Tod" vielleicht nicht versteht, interessieren sie sich für Waffen aller Art. Mir jagt das zwischendurch ehrlich gesagt eine eiskalte Gänsehaut über den Rücken. Als Kelte bin ich regelmäßig auf Märkten, und in unserem Lager steht meistens auch ein gut sortierter Waffenständer. Wenn dann die Kurzen im Alter ab sechs oder sieben Jahren mit ihren Eltern da stehen, und sich haargenau die Funktions- und Wirkungsweisen der diversen Waffen erklären lassen, und dabei begeistert "Boah" rufen, kann man als Erwachsener, der mit Schmerz und Leid was anfangen kann, nur noch schlucken.
     
    Das als pervers oder auch nur als gewaltverherrlichenden Verhalten einzustufen halte ich aber für grundlegend falsch. Als Kinder haben wir ebenfalls auf sowas gestanden, und mal ehrlich: Spielzeugpistolen sind immer noch echten Waffen nachgebildet, und was Kinder heute als "Cowboy und Indianer" spielen war damals ein grauenhaftes Gemetzel.
    Ich glaube, vereinfacht gesagt, ein derartiges Interesse befriedigt einen Teil der eigenen Entwicklung. Es geht hierbei darum, die eigene Stärke zu und die eigene Aggression zu erleben, und positiv kanalisieren zu können. Wir neigen seit einigen Jahren dazu, Aggressionen als etwas negatives abzulegen, und gehen damit den falschen Weg. Den Aggressionen, in die richtigen Bahnen geleitet, haben ein unheimliches kreatives Potential.
     
    Wenn Kinder sich also mit solchen Dingen beschäftigen verhalten sie sich sowohl Kind- wie auch Altersgerecht, und es gibt keinen Grund davon auszugehen, dass sie dadurch zu Terroristen, Amokläufern oder Psychopathen mutieren. Ähnliches gilt übrigens bei der nächsten Altersstufe für die "Killerspiele", die ich übrigens ebenfalls gespielt habe. Und jetzt schau mal einer an: Ich bin überzeugter Pazifist und habe meinen Zivildienst geleistet.
    Im Gegenteil, Kinder davon fern zu halten bedeutet, ihnen die Möglichkeit zu nehmen, ihr eigenes Bild und auch ihre eigene Empathie zu entwickeln, d.h. man erzieht ihnen Aggressions- und Emotionsstörungen an.

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