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Medien

Donnerstag, 12. Juni 2008

Fairer Wettbewerb

Ich lache mich schlapp.
Da zahlen wir GEZ-Gebühren, seit neuestem auch für unsere internetfähigen Rechner. Der ÖR baut schicke Angebote auf. Da findet man Beiträge, die auf YouTube eingestellt werden (siehe z.B. NDR extra3), Podcasts von fast allen Sendungen, Streams - mittlerweile auch im MP3-Format.
Da ist man fast geneigt zu jagen: Jawohl, sie haben es begriffen! Grossartig. Vernünftige Sendungen zu der Zeit, wo ich sie haben will. Fortschrittlich. So langsam fange ich an, meine GEZ-Gebühren gerne zu bezahlen..
Und dann kommt die private, durch Werbung finanzierte Branche und redet von unfairen Wettbewerbsbedingungen. Ich heule, Ihr elenden Medienheinis! Dann macht doch mal etwas vernünftiges aus Euren Seiten, und stellt Euch dem Wettbewerb!
Natürlich braucht man garnicht lange Warten, und unsere wirtschaftshörige Politikerriege faselt irgendwas von fairem Wettbewerb. Fair? Hallo? Oooh man.

Montag, 3. März 2008

Öffentlich rechtlich: Ich ändere noch meine Meinung

...wenn die so weiter machen: Nicht nur, dass die mit extra3 und Zapp Sendungen haben, bei denen sich das Zahlen von Rundfunkgebühren beinahe schon lohnen würde (geschmählert wird das von den ganzen Volksmusik-Schmonzetten), nein jetzt stehen Beiträge dieser Sendungen sogar unter einer Creative Commons Lizenz.
 
Sehr genial, weiter so!
 
via: Fefe

Dienstag, 4. September 2007

Der neue kalte Krieg

...wird nicht zwischen irgendwelchen Atommächten ausgefochten, sondern zwischen der sogenannten Contentindustrie und den sogenannten Raubkopierern. Also mal ehrlich, gegen wen kämpft denn die Contentindustrie? Und wer hat bisher einen Beweis für die Stichhaltigkeit der Aussagen gefunden, es würden Milliardenverluste pro Jahr gemacht?

Fakt ist: Kopiert wurde schon immer.
Das fing schon an als mein Vater ein Koten war, und von seinen Eltern ein Tonbandgerät geschenkt bekommen hat. War damals irrsinnig teuer, und Mono. Und da Radios mit einem zusätzlichen Ausgang noch teurer waren, bekam er ein Mikrophon dazu.
Also saß er mit dem Mikro bewaffnet vor dem Radio und nahm seine Lieblingshits auf. Es gibt einige sehr witzige Ausschnitte auf den Aufnahmen, z.B. den Ruf seiner Mutter: "Gerdchen, komm Essen." Phänomenal.
Meiner einer ist als Kind mit Kassetten, den Nachfolgern der ungleich größeren Tonbänder angefangen: Immer schön vom Radio aufnehmen. Und später von MTV. Oder Viva, als ganz zu anfang des Senders. Aber das war eigentlich auch schon die Zeit, wo ich einen Kinderausweis für eine familienfreundliche Videothek hatte, und mir die CDs dort ausgeliehen habe.
Kurz vor den CDs war da noch mein Stolz auf ein Doppelcassettendeck, bei dem man Kassetten sogar mit doppelter Geschwindigkeit ("High Speed Dubbing") kopieren konnte.
Mensch waren das Zeiten. Da wurden die Lieblingstracks einfach mit den Schulfreunden getauscht.
Aber oh, vielleicht sollte ich das garnicht sagen. Wahrscheinlich erhalte ich aufgrund dieses Blogeintrags eine Abmahnung mit in Höhe von 15,000 Euro. Rückwirkend.
Das Tauschbörsen in diesem Sinne also nur die Fortsetzung eines schon lange vorher praktizierten Vorgangs sind, will ich deshalb mal nicht weiter ausführen.

Bei Videos ist es ähnlich: Damals gingen bei uns Videokassetten rum, sofern überhaupt ein Recorder im Haus war. Spitzenreiter war dabei sicherlicher der indizierte Mehrteiler Gesichter des Todes, bei der Selbstmörder und Todeskandidaten bei ihrer letzten aktiven oder passiven Handlung gezeigt wurden.
Und da regen sich heutzutage viele über verpixelte und mikrige Pornos und Gewaltvideos auf Handies auf? Einfach nur lächerlich.
Wobei Gesichter des Todes an mir vorbei ging, und ich heutzutage gar keinen Hang dazu habe, irgendwas nachzuholen.

Aber hey, ich schweife ab.

Worauf ich eigentlich hinaus wollte ist folgendes: Die Contentindustrie ist damals gegen die Einführung von Sonys VHS-Recorder Sturm gelaufen und hat tausende von Arbeitsplätze sowie viele Einträge vernichtet gesehen. Nichts davon ist eingetroffen.
Im Gegenteil, Kaufvideos haben sich als gute Einnahmequelle erwiesen.

Ganz im Gegensatz dazu hat es bisher noch kein Kopierschutz durchgehalten:
- Macrovision auf Videokassetten konnte durch entsprechende Kästchen am Ausgang des Recorders augeschaltet werden
- CSS auf DVDs war nur eine Frage der Zeit
- Diverse Kopierschutzmechanismen auf CDs haben sich den Unmut der Bevölkerung eingebracht. Klar, wenn die CD in einem Laufwerk nicht läuft, oder sich das Laufwerk plötzlich nicht mehr öffnen läßt (oder sogar beides).
- AACS, der Kopierschutz der Next Generation-Medien HDDVD und BlueRay wurde ebenfalls schon ausgehebelt.

Wofür also noch einen draufsetzen, und wieder die falschen treffen? Ehrlich gesagt fühle ich micht echt verarscht,
- wenn ich eine DVD kaufe. Kommt mir doch als allererstes nach dem Druck auf Play ein nicht überspringbarer "Raubkopierer sind Verbrecher"-Spot entgegen. Hallo, das ist meine DVD, dafür habe ich Kohle auf den Tisch gelegt!?!
- wenn ich ins Kino gehe. "Dieser Film ist urheberrrechtlich geschützt... *blah*". Na klar, ich habe ne Kamera dabei. Weil ich finde, das Screener in Bild und Ton völlig überzeugen können. UND WEIL ICH AUCH NUR EINE KINOKARTE GEKAUFT HABE, UM EINE KOPIE FÜR ZUHAUSE ZU ERSTELLEN.
- wenn ich ins Kino gehe und Pläne höre, das Publikum während der Vorstellung mit Infrarot-Kameras zu überwachen.

Wie fertig muß man eigentlich sein?

Von der kalten Krieg-Analogie mal abgesehen erinnert mich das derzeitige Vorgehen der Contentmafia und der ihr hörigen staatlichen Gesetzgeber an mittelalterliche Hexenprozesse...

Da fällt es auch nicht mehr, wenn für die TV-Grundverschlüsselung mit einem höheren Datenschutz argumentiert wird. Bitte was? Also derzeit weiß keiner, was ich wann gucke. Aber wenn es eine Grundverschlüsselung gibt, wissen die Verschlüsseler zumindest, was ich für Sender gucken will. Paßt irgendwie nicht zusammen.

Freitag, 22. Juni 2007

Von Null auf Brechreiz in unter fünf Minuten - Privatfernsehen hab Dank!

Gestern abend noch kurz in die Glotze geschaut. Pro7 lief. Und da fing "Das Modell und der Freak" an. Ja, die Sendung hielt, was der Titel schon verspricht. Ein hippes Modell soll am Rande der Gesellschaft stehende Individuen wieder Salonfähig machen.
Für viele mag das nach "Resozialisation" klingen, für mich klingt das eher nach einer Rückführung in eine im Gleichschritt marschierende Gesellschaft, dem Aufdrücken des gerechten Normenstempels.

Und es stellt sich die Frage, wo die Produzenten Menschen her bekommen, die sich so erniedrigen lassen. Die Produzenten haben ihn doch schon ausgesucht, um eine bestimmte Reaktion hervorzurufen. Sowas wie eine perverse Faszination, ein solches Exemplar zu betrachten.

Das erste Kurzinterview habe ich dann schon nicht ausgehalten:
"Wo wird man als Mann wie ich schonmal von so einer Frau wahrgenommen und sogar angesprochen", spricht er halb aufgelöst und gerührt in die Kamera.
Und ich möchte ihm entgegen schreien: "Hallo? Hast Du ein Rad ab? Die Frau spricht nicht mit Dir, weil sie Dir einen Gefallen tun will. Die wird dafür bezahlt. Und sie kommt dafür ins Fernsehen. Sie kann ihr Gesicht zeigen, und ihren Körper. Und hoffen, danach in einer anspruchsvolleren Sendung arbeiten zu können."

Ich halts nicht aus, die völlig gesellschaftsverblödenden Konformitätssendungen.
SPOn bezeichnet das übrigens als TV-Zirkus. Auch sehr schön (und lesenswert).

Law Wars V: The Copyright-Lobby strikes back

Während der heißen Phase des G8-Gipfels war es mit anderen Themen hier in diesem Blog recht mau bestellt. Vor allem bei meinem "Lieblingsthema Urheberrecht" herrschte Stille. Da haben wohl einige Parteien die Zeit für sich genutzt...

Sie haben "nachgedacht". Wobei "nachdenken" bei einigen wohl bedeutet, dass sie sich überlegen, wie sie möglichst viel Geld scheffeln. Zumindest kommt der Eindruck auf, wenn ich mir die Idee zum Broadcast Right anschaue.
Also beim Urheberrecht sind sich ja fast alle einig: Wer etwas erschafft, der hat das Urheberrecht dafür, und beauftragt in Folge vielleicht irgendeine Organisation mit der Wahrung seiner Interesse. Oder aber man tritt das Urheberrecht an irgendwelche Verleger und so ab.

Neu ist die Idee bei obigem Vorschlag: Demnach geht das Urheberrecht auf denjenigen über, der das Machwerk weiter verbreitet. Die Inhalte meines Weblogs stehen ja unter der Creative Commons und können recht frei verwendet werden. Dies ist auch ausdrücklich erwünscht. ("Spread the word.")
Wenn nun, sagen wir mal ein Radiosender, auf die Idee kommt, einen meiner Beiträge zu bloggen, hätte nach dem Broadcast Right der Sender das Urheberrecht. Und könnte mich als Urheber dazu zwingen, die Creative Commons-Lizenz zu entfernen.

Coole Nummer...

Freitag, 1. Juni 2007

Juchu! Regulierung im Internet

Die klassichen Medien drängen ins Netz, auch mit "Bewegtbildangeboten", und das ruft die Regulierer auf den Plan. Da stellt sich mir doch glatt die Frage, wann Privatleute ihre Pod- und Vodcasts bei den Regulierern, den Landesrundfunkanstalten und dergleichen mehr anmelden und autorisieren müssen.

Wie sage ich es denn?

Nehmen wir mal, jemand ist totkrank, weiß, das er nicht mehr lange zu leben hat, und vermacht seine Organe jemand anders, damit er damit länger leben kann. Soweit, so gut.

Und wenn jemand daraus eine TV-Show macht?

SPON titelte am 26.05.2007: Todkranke Niederländerin vergibt Niere im Fernsehen
Eine todkranke Niederländerin will kommende Woche in einer TV-Show ihre Niere verschenken. Drei Kranke bewerben sich um das Organ. Die Zuschauer stimmen per SMS ab, wem die Frau die Niere nach ihrem Tod spenden soll.
Mir kommt dabei die Galle hoch!
Auch auf die Gefahr hin, als fingerhebender Moralwächter zu erscheinen, aber hier wird mit Menschenleben gespielt - im Sinne der Unterhaltung! Und die Zuschauer können nicht nur ihre vojeuristischen Gefühle befriedigen, sondern sich bequem vom Sofa aus per SMS als Damen und Herren über Leben und Tod aufspielen.

Es bleibt eigentlich nur festzustellen, daß wir wirklich weit gekommen sind. Menschenlebwn zählen angesichts dauernder Katastrophen, dem Krieg gegen den Terror und einer zunehmenden sozialen Kälte nichts mehr.
Wobei eine solche Show ja nur die Fortsetzung des bei uns herrschenden Ellebogenprinzips ist.

Ich frage mich, wie sich die drei Konkurrenten fühlen, irgendwo gefangen zwischen Hoffen und Bangen, der Angst, es könnte bald vorbei sein. Ich frage mich, was in der Frau vorgeht, die mit ihrem Antritt, ihre Niere abzugeben, vielleicht ein gutes Werk tun mag. Und ich versuche mir vorzustellen wie die vier zwischen den Spielen rüber kommen, wenn die obligatorischen Interviews kommen, und die beiden Verlierer mit ihrer Angst vor einem möglicherweise nahen Tod hadern.
Das geht bereits in Richtung "Running Man.

Wenn die Show abgesetzt oder nicht gesendet wird heißt das übrigens noch lange nichts. Das Konzept ist ausgearbeitet worden, die Ideen stehen, und es gibt offensichtlich Menschen, die mit einer ordentlichen Quote rechnen. Was heute nicht gesendet wird kommt morgen, oder vielleicht in ein, zwei Jahren.
Aber kommen wird sowas.

Eine richtig coole Hinrichtungsshow, findet man bei medienrauschen.de nicht ohne einen sarkastischen Unterton.

...wenn man trotzdem lacht
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