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Montag, 17. März 2008

Kurzer Rückblick: PFI Konferenz 2008

Das war ein Wochenende!
Es war großartig, erhellend, witzig, intensiv, anstrengend, anregend...
 
Ich war auf der PFI Konferenz, eine jährlich stattfindende Veranstaltung von Heiden für Heiden. Zeit, um sich gegenseitig kennen zu lernen, in Workshops Erfahrungen auszutauschen und neues zu lernen, neues auszuprobieren und einfach nur Spaß zu haben.
Den Freitag ließ ich ausfallen, weil ich mit Wicca nicht viel anfangen kann und auf einem anderen Weg bin. Den Samstag waren wir aber passend zum Einlaß da. Die Zimmer offenbarten sich im Jugendherbergsstil, was hier und da für Erheiterung und Sentimentalitäten sorgte.
Oft malträtiert wurde der Termin- und Raumplan, es kam quasi bis zur letzten Minute zu Umdisponierungen, was der guten und herzlichen Atmosphäre aber keinen Abbruch tat, sondern eher für allgemeine Erheiterung sorgte. Das bekamen selbst die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Naturfreundehaus Ebberg mit, die sich mit Lob ob der komischen Meute nicht zurückhielten. :)
 
Ich entschied mich eingangs für Astrologie als Ordnungssystem, weil der Ansatz ganz nett klang. Wie man aber vielleicht schon merkt konnte ich nicht viel damit anfangen. Vielleicht ergibt sich in einer ruhigen Minute aber noch was anderes. Prinzipiell ist "Astrologie als Ordnungssystem" nichts anderes als ein Orakelsystem, d.h. das man z.B. Zuordnungen von Personen, Ereignissen und Orten zu Planeten und Sternzeichen am besten so machen sollte, wie einem das eigene Gefühl das sagt. Mein Ansatz, den Workshop zu besuchen war, vielleicht neue Impulse zu erhalten, Astrologie fernab der Horoskopie in meiner spirituellen Arbeit einsetzen zu können, was aber nicht eingetreten ist. Muß ja auch nicht, dafür gibt es ja unterschiedliche Werkzeuge und jeder kann sich nehmen, was ihm oder ihr liegt.
 
Eigentlich hatte ich mich auf Klangreisen & heilende Klangwelten gefreut, und mich auch schon für diesen Workshop eingetragen. Wegen der Verschieberei kollidierte er mit dem Vortrag von Björn Ulbrich zum Thema Übergangsrituale gestalten. Es war wirklich fünf Minuten vor Beginn der Veranstaltung, als ich mich umentschied.
Björn berichtete von seinen eigenen Erfahrungen, Traditionen in der eigenen Familie zu etablieren, und warum es wichtig ist, Kindern und Jugendlichen Rituale als Wendepunkte in ihrem Leben zu bieten. Er untermalte das mit sehr persönlichen, eindringlichen und schönen Bildern von den Feierlichkeiten seiner eigenen Kinder, und riß damit glaube ich alle Anwesenden in seinen Bann. Ich habe hinterher zumindest niemanden getroffen, der nicht beeindruckt war und etwas aus dem Vortrag mitgenommen hatte.
Während sich der erste Teil um Rituale zur Namensgebung bei Kindern, sowie deren Aufnahme in den Kreis der Familie, drehte, ging es im zweiten Teil um die Ausgestaltung eines Übergangsrituals ins Erwachsen-Werden. Wieder sahen wir seine eigenen Kinder, und Kinder von Freunden sowie deren Familien. Und ähnlich wie im ersten Teil waren dies eindrucksvolle Bilder, Ideen und Gedanken.
Ich glaube viele haben begriffen, wie wichtig es ist, so etwas auszurichten und Ansätze mitgenommen, wie das in der eigenen Familie geschehen kann. Mir dämmerte es nach den beiden Vorträgen, das wir im Heidentum Netzwerke benötigen, um sich gegenseitig die notwendige Unterstützung zu bieten. Das Pagan Parenting Projekt, das ebenfalls mit einem Infostand vertreten war, ist ein guter Anfang, wenn es um Elternschaft geht. Generell waren wir uns aber in der Diskussion am Sonntag einig, das wir eine flächendeckende Vernetzung benötigen.
Sehr beeindruckt und berührt hat mich das Angebot von drei Pärchen, ich könne die Bäume für meine Kinder auf deren Wiesen pflanzen. Allen dreien (sechsen) möchte ich deshalb von Herzen danken.
 
Im ersten Teil von Björns Vortrag erfuhren wir, das der Klangreisen-Workshop ausgefallen ist, weil der Referent spontan abgesagt hatte. Das hat für Irritationen gesorgt, aber auch die wurden gut und schnell verwunden.
 
Leider litt der Trommelkreis, auf den sich viele gefreut hatten, darunter, weil niemand da war, der flächendeckend Ton und Takt angeben konnte. Ich habe unsere Trommelei aufgenommen und werde mal schauen, was sich aus der Aufnahme machen läßt.
Nach dem Trommeln gab es noch eine kleine Partie, bevor ich mich gegen Mitternacht völlig K.O. schlafen gelegt habe. So ein Tag kann ganz schön anstrengend sein.
 
In der Wiederholung am Sonntag gab ich mir Vickys und Wiliams Heilung durch Bewegung Workshop. Klar, das hier getanzt wurde. Zuerst in Partnerarbeit, wobei einer mit geschlossenen Augen tanzte und seinen eigenen Impulsen Ausdruck verleihen konnte. Der andere achtete darauf, dass der Tänzer nirgendwo anstieß, und konnte mit eigenen Berührungen selber Impulse geben.
Im zweiten Teil tanzte jeder eine der acht Himmelsrichtung bzw. das, wofür sie stehen (Luft, Feuer, Wasser, Erde, Ahnen, Pflanzen, Tier, Menschen). Eine leichte Form des Trance-Tanzes, bei dem man zuerst seiner Kraft Ausdruck verlieh und dann anfing, mit anderen zu interagieren. So hatte man die Möglichkeit zu schauen, wie die eigene Kraft mit den anderen Kräften umgeht, und was dann passiert. Hier hat es für alle sehr eindringliche Momente gegeben und in der anschließenden Redestabrunde sah man beeindruckte und bewegte Gesichter.
 
So hat denke ich jeder etwas von dieser Konferenz mitgenommen, neben Wissen vor allem neue Bekanntschaften und Freunde. Danke an alle, die die Konferenz organisiert haben, und an alle, die gekommen sind und dazu beigetragen haben, dass das für alle eine wunderbare Erfahrung wurde.
Ich denke die gemeinsamen Wünsche aus dem Eröffnungsritual sind allesamt in Erfüllung gegangen.

Montag, 18. Juni 2007

Matriarchat: Falsch verstanden... trotzdem sind nicht alle männlichen Götter schlecht. ;-)

Na gut, ich habe mich vertan. Oder um genauer zu sein hatte ich irgendwie im Kopf ein Matriarchat sei quasi die Umkehrung des Patriarchats, also sprich eine Gesellschaft, die von weiblichen Kräften dominiert wird. Nun gut, mittlerweile habe ich gelesen, dass dem nicht so ist.

Wobei es meiner Meinung nach ein Unterschied ist, ob man ein Matriarchat lebt, oder ob frau die Abschaffung aller männlichen Gottheiten fordert, weil diese schlecht seien.

Für mich eine engstirnige Sicht auf das Christentum, denn der Christengott war wahrlich nicht der erste männliche Gott, wohl aber der schlechteste. Ein Gott, der seinen Sohn auf die Erde schickt und ihn dort praktisch krepieren läßt widerspricht dem Bild eines sich kümmernden, liebenden Vaters. Darauf aufbauend läßt sich sagen, dass viele männliche Rollenbilder schlecht waren. Vor allem in den 50ern und danach haben wir mit James Dean, John Wayne und dergleichen mehr, Männer erlebt, deren Vorbildfunktion weder Frauen noch Kinder zu befriedigen wußte.
Anzumerken sei noch, dass die Geschichte mit Jesus und Gott mehr oder weniger auch ein Aufhänger für die Armeen dieser Welt war, im Kriegsfall die Kinder einberufen zu können. Ich habe gerade Metallica im Kopf...

Zweitens sind die alten männlichen Gottheiten hervorragende Archetypen für männliche Verhaltensweisen, und können uns durchs Leben begleiten. In ihnen finden sich viele kraftgebende und liebenswerte Werte wieder, die teilweise auch erst wieder entdeckt werden müssen.
So treten hier, ähnlich wie bei der Dreifaltigkeit, unterschiedliche Persona auf. Das des unschuldigen Buben, der zu einem wilden Jungen heran reift, und schliesslich zu einem erwachsenen Mann wird, der nun bereit ist, eine Familie zu gründen.

Auch wenn ich das Matriarchat falsch interpretiert oder gedeutet habe bleibe ich dabei das die Negierung männlicher Kräfte und Energien, wie es das Blog Radical Goddess Thealogy beschreibt, nicht zielführend ist. Männer und Frauen haben beide Kräfte, die sich gegenseitig in vielfältiger Hinsicht befruchten können, aber alleine, oder die andere Kraft unterdrückend, können sie schlechtes bringen.

Klar rede ich hier aus dem Standpunkt eines Mannes, aber von einem, der während seiner Kind- und Jugendzeit die Diskussionen um die Emanzipation mitbekommen hat, dem gesagt wurde, dass er einem neuen Männertyp angehören müsse, der aber noch nicht definiert war, oder irgendwann als Softie in Verruch gerriet.
Und ich spreche hier vom Standpunkt eines Mannes aus, dessen Eltern sich haben scheiden lassen als er 12 war, der bei der Mutter aufwuchs, und der dadurch ein schlechtes Männerbild bekam.

Kurzum: Ich habe am eigenen Leibe erfahren, wie wichtig vernünftige Rollenbilder sind. Ich weiß, dass Jungen, um ordentlich aufwachsen zu können, männliche Vorbilder brauchen, an denen sie sich orientieren können. Und ich bin der Meinung, dass Jungen über ihre Mutter lernen sollten, wie sie mit "dem anderen Geschlecht" umzugehen haben.

Also können wir gerne eine matriarchaische Gesellschaft bekommen, aber bitte unter Berücksichtigung beider Göttergeschlechter.

Samstag, 16. Juni 2007

Nichts gelernt

Das Patriarchat hat in den letzten Jahrhunderten für einige Wirrungen in unserer Kultur gesorgt, und das ist noch harmlos ausgedrückt. Die Welle der Emanzipation mit dem Ziel der Gleichberechtigung beider Geschlechter versprach, und verspricht nach wie vor, wie ich finde, Besserung.
Umso erstaunlicher finde ich es, solche Sachen zu lesen:
Radical Goddess Thealogy
This weblog is dedicated to THE GODDESS and to SAVING THE PLANET -- by gently replacing God the Father with God the Mother by the year 2025. Too simplistic? Nope, I don't think so. Male gods are dangerous, to men as well as women. Female deities are ROLE MODELS for UNCONDITIONAL LOVE. People are biologically programmed to need religion of one kind or another. (BTW, "thea"=Goddess, "theo"=god)
godmotherascending.blogspot.com

Vielleicht setzt sich irgendwann mal die Erkenntnis durch, dass sich nur ein Gleichtgewicht bildet, wenn wirklich beide Kräfte auf einem Level sind. Schauen wir uns doch mal um: Bei den meisten Lebewesen bedarf es eines männlichen Parts, um den weiblichen zu befruchten.
Quatsch ist meiner Meinung nach zu behaupten, männliche Götter wären schlecht. Das ist genauso falsch wie die Behauptung, männliche Kräfte seien schlecht. Ja, männliche Kraft kann zerstörerisch sein, aber das gilt für alle Kräfte, die uns umgeben.

Die Sonne sorgt dafür, dass das Leben auf der Erde wachsen und gedeihen kann. Zu viel Sonne, oder zu wenig Wasser, sorgt aber dafür, dass die Pflanzen verdorren und schliesslich eingehen. In den alten, naturnahen Kulturen war die Sonne übrigens männlich, während der Mond weiblich war.
Wasser kann, wie oben angeführt, zum Pflanzenwachstum beitragen, bzw. das Leben erhalten. Bei Überschwemmungen oder heftigen Regenfällen aber sorgt es für Tod und Zerstörung.
Wir können es durch exerzieren: Feuer wärmt und spendet deshalb Leben, bzw. kann Nahrung erst richtig eßbar machen. Aber es verbrennt auch, tötet, und läßt ödes Land zurück. Erde ist ein hervorragender Boden, auf den alles Leben gedeiht. Erdrutsche aber können lebendig begraben.

Das ist bei der weiblichen Kraft nicht anders: Unconditional Love ist genauso gefährlich, wenn sie alleine steht, wie irgendeine anderere Kraft. Es ist nichts Neues, das Liebe z.B. erdrücken kann, weil die Nähe zu einem Menschen dessen Freiheiten erdrückt, oder auch dessen Persönlichkeit. Zu viel Mutterliebe kann dafür sorgen, dass die Kinder nicht selbständig werden, sondern an Mutters Rockzipfel hängen bleiben.

Aus der Kindererziehung weiß man, dass diese sowohl weibliche wie auch männliche Vorbilder benötigen, um ein entsprechendes Rollenbild entwickeln zu können. Und Mädchen brauchen Männer, um eine Orientierung zu bekommen, wie ihr "Zukünftiger" aussehen sollte.
Deshalb sind Frauen nicht uneingeschränkt die besten Rollenbilder.

Die ganze Betrachtungsweise ist einseitig, und deshalb ebenfalls engstirnig. Ein Matriarchat wird, ob es das nun will oder nicht, ähnliche Fehler wie ein Patriarchat machen, durch die Negierung und Unterdrückung der männlichen Kraft.

Via Morgaine

Freitag, 8. Juni 2007

100% Heidnisch

Gute Ideen soll man weitergeben, vor allem im Netz, und wenn man schon so nett dazu aufgefordert wird. ;-)
Und natürlich gehts hier im Captains Log, wenn es um Glauben geht, um heidnische Themen. Denn da gehöre ich hin. Das bin ich. Aus vollster Überzeugung. Oder eben zu 100%.
Alariel hat deshalb einen Feldversuch gestartet, oder auch eine Aktion, wie ich finde. Also oute ich mich hier auch und bringe den
100heidnisch
Button an.

Hier die Grundsätze, die Alariel gepostet hat, und die ich in dieser Form mal übernehmen möchte:
  1. Ich weiss, dass es andere Gottheiten gibt. Dies erkenne ich an und respektiere sie.
  2. Aufgrund dessen ist Toleranz nicht nur ein Wort, sondern Grundlage.
  3. Ich missioniere nicht. Entweder man weiss, oder man muss halt glauben.
  4. Menschen, Pflanzen, Tiere, alle und alles sind Teil eines großen Ganzen. Der Mensch hat nicht aus sich heraus eine erhabene Position.
  5. Ich “betreibe” meine Religion nicht aus finanziellen Gründen. Ein angemessener Lohn für eine Arbeit ersetzt meine Kosten und würdigt die Zeit, die ich investiere - mehr erwarte ich nicht.
  6. In meinem Haus und meinem Schrein gelten allein meine Regeln. Das erwarte ich, und ich respektiere dies, wo ich zu Gast bin.
  7. Die Regeln, an die ich mich halte, existieren für mich, weil ich mich freiwillig daran binde, nicht, weil irgendwer sie irgendwann niedergeschrieben hat.
  8. Niemand kann mich zwingen, Gutes zu tun. Ich bin selbst in der Lage zu entscheiden, welche auswirkungen meine Taten haben, und ob dies Gut ist oder nicht.
  9. Kein Gott und keine Göttin nehmen irgendeine Verantwortung für meine Taten von mir. Ich selbst bin voll verantwortlich für das, was ich tue und benutze die Göttinen und Götter nicht, um mich hinter ihnen zu verstecken.
  10. Diskussionen über die Existenz von Göttern/Göttinen, vor allem an der Haustür, erübrigen sich. Mich überzeugt man nicht von einem Gegenteil dessen, was für mich selbstverständlich ist.
Edit: Ich liebe Punkt 3! *hehe*

Sonntag, 27. Mai 2007

Tempel beim Autobahnbau entdeckt

In Irland wird gerade eine Autobahn durch historisches Gelände gebaut, direkt an einem alten Kultplatz vorbei. Nun wurde an einer Stelle, wo eine Tank- und Raststätte hin soll, eine alte Tempelanlage mit einem angeschlossenen Großgrab entdeckt.
Dadurch ist die Diskussion um den Sinn und Zweck der Autobahn neu entbrannt, und für die Gegner des Baus ist diese Tempelanlage natürlich Wasser auf den Mühlen.

Von daher gibt es auch eine neue Petition. Wer aktiv werden möchte und die Zeit dazu hat kann ich sich auch anderweitig einbringen. Mehr dazu gibt es auf im Hain der Baumkriegerin.

Da ist die Info übrigens auch her.

Freitag, 18. Mai 2007

Fundsache: Heidnisches Gebet

Gerade beim Stöbern in Nepthis Blog entdeckt: Ein Heidnisches Gebet. Da weil es so schön ist, gibts das jetzt auch hier:
Grant, O God and Goddess, thy protection
and, in protection, strength
and, in strenght, understanding
and, in understanding, knowledge
and, in knowledge, the knowledge of justice
and, in the knowledge of justice, the love of it
and, in the love of it, the love of God, Goddess and all goodness.

So mote it be.

Samstag, 10. März 2007

PFI-Konferenz

Nächstes Wochenende ist es soweit, dann steigt in Dortmund die nächste PFI-Konferenz.
Es gibt am Samstag und Sonntag Workshops zu den Themen "Nordischer Schamanismus", Runen, Kerzenmagie. Einführend und abschliessend wird es ein Ritual geben. Aber was rede ich, das Programm kann man sich als PDF runterladen.
Ich bin schon gespannt, das wird meine erste heidnische Veranstaltung dieser Art...

Mittwoch, 28. Juni 2006

Nachgelegt: Litha

Mittlerweile ist es schon wieder eine Woche her, das die Sommersonnenwende vor der Tür stand, und damit die Zeit reif war für ein neues Ritual.
Hielten mich davor mal wieder der Alltag und alle möglichen Verpflichtungen sowie andere Interessen (Asche auf mein Haupt) davon ab, mich mit spirituellen Dingen zu beschäftigen, sollte das zumindest an dem Tag anders sein.
Nachdem ich Montag und Dienstag mit einer Magen Darm-Geschichte zu kämpfen hatte, gings mir Mittwoch einigermaßen besser. Außerdem hatte ich den Rest der Woche frei, weil noch einige private Termine anstanden.
Der Mittwochs-Termin klingelte bereits um 7 Uhr morgens, um den Gaszähler auszutauschen, dafür hätte ich ihn eigentlich auch killen können...
Aber gut, dafür hatte ich den restlichen Tag nichts mehr vor mir, und somit meine Ruhe.

Wenn da nicht das Wetter gewesen wäre, das passend zum Sonnenfest mit einer dicken Wolkenschicht und Wind aufwartete, und somit immer nach Regen aussah. Der Tag plätscherte so vor sich hin, ich konnte mich nicht dazu aufraffen, etwas zu machen. Wie auch, im Druidenbuch stand ganz passend "Gehen Sie raus, setzen Sie sich der Wärme aus!". Hätte ich ja gerne...

Erst gegen Abend machte ich dann Nägel mit Köpfen und nahm eine Dusche, was ich mittlerweile immer als Vorbereitung auf ein Ritual mache. Und während ich noch unter der Dusche stand, schickte die Sonne mir erste, zarte Grüße ins Bad. Freude freude, sollte das etwa ein Grund zum Frohlocken sein?
Ja, war es: Als ich aus der Dusche kam, war der Himmel fast blau, und draußen herrschten wieder Farben, wie man sie an einem solchen Tag gerne sieht.

Das während der Sommerzeit sowieso viel zu stickige Studio war als Ritualplatz damit gestorben. Frisch gereinigt packte ich mir einen Beutel mit Utensilien zusammen, und überlegte mir, wo ich das Ritual wohl halten könnte.
Da ich aktuell mit dem Pendel experimentierte, schnappte ich mir eine Fahrrad-Karte des Münsterlands, und setzte mein Pendel auf meine Umgebung an.
In die Richtung fuhr ich dann, und fand schließlich eine nette Stelle an einem Feldrand, fernab der Straße, mit einem herrlichen Blick nach Westen, und einer großen Eiche im Rücken.
Hier machte ich ein kleines Ritual, bei dem ich Räucherstäbchen beim Bitt- und Dank-Teil verwendete, mangels Räucherkohle, und in dessen Verlauf ich über die Kraft der Sonne philosophierte.
Als die Räucherstäbchen dann fast abgebrannt waren, tauchte die Sonne den Himmel in rote und goldene Farben, bevor sie von dunkleren Wolken verschluckt wurde, und ich meinen Heimweg eintrat.

Ja, das war ein schickes Litha, genauso habe ich mir das vorgestellt.

Freitag, 26. Mai 2006

Unerwartete Funde aus dem Dom zu Münster

Beim letzten Heidenstammtisch vom Hexentreff erzählten Nils und Anne etwas von Symbolen, die sie im münsterschen Dom gefunden hatten.

Den Berichten der beiden zufolge gibt es im Dom z.B. mehrere Gargoyle-Abbildungen:
Gargoyles IGargoyles IIGargoyles III
Auf die Abbildung klicken öffnet ein neues Fenster

Gargoyles sind mittelalterliche Kreationen, die, mit dem jetzt bekannten Namen, ihren Ursprung im französischen haben. Die ursprünglichen Gargoyles bezeichnen Wasserspeier, die in Form von Monster und Fabelwesen dargestellt wurden, und die verhinderten, dass Wasser an der Hauswand runterlief, und dadurch das Gebäude beschädigte.
An Außenwänden von Kirchen stehen diese Figuren für den Einfluß des Teufels auf das Weltliche, wie z.B. Wikipedia weiß. Dort steht aber auch, dass man sie nie im Innern einer Kirche findet, was die Frage aufwirft, ob es sich bei den Abbildungen wirklich um Gargoyles oder Grotesken handelt, oder um etwas anderes. Die Ähnlichkeit ist zumindest verblüffend, ich werde hier mal ein weiter forschen.

Ähnlich interessant ist eine Statue, die im Domhof steht, und den Sensenmann darstellt. Dieser ist ein im Mittelalter weitläufig anzutreffendes Symbol des Todes, die Darstellung eines in einem Umhang gekleideten Skeletts, das eine Sense trägt, ist weitläufig bekannt. Allerdings habe ich den Schnitter noch nicht mit dem Christentum in Verbindung gebracht:
Schnitter ISchnitter II

Nach dem Motto Save the best for last gibt es das beste Stück aber zum Schluß, und das kann man nahezu kommentarlos stehen lassen: Ein Pentagramm im Kirchenfenster, etwas, womit ich nie gerechnet hätte:
Pentagramm
Für dieses Zeichen sind während der Inquisition ein ganze Reihe Menschen auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden.

Montag, 20. März 2006

Heiden sind keine Nazis

...und heidnische Symbole keine Nationalsozialistischen. Das muß an der Stelle mal gesagt werden, denn augenscheinlich gibt es selbst bei Politikern und ihren Beratern eine Wissensschieflage.
Richtig ist, dass in der Vergangenheit Nationalsozialisten Gebrauch von heidnischen Glaubensgrundsätzen und Symbolen gemacht haben, falsch ist jedoch zu behaupten, diese wären umgekehrt rechtsradikal.
Symbole wie die Swastika oder auch die Triskele als rechtsradikal hinzustellen ist gelinde gesagt schwachsinnig. Diese Symbole sind jahrtausende alt und in vielen Kulturen der ganzen Welt bekannt.
Noch viel abgefahrener wird das dann bei Symbolen wie Thors Hammer, der selbst im dritten Reich kaum Bedeutung hatte, und sich erst seit einigen Jahren rechtsradikaler Beliebtheit erfreut.

Meinen Ärger auf sich gezogen hat dabei der Artikel "Braune Lichtmenschen: Anmerkungen zum Heidentum in rechtsextremen Szenen von brandenburgischen landeszentrale für politische bildung (warum schreiben die sich eigentlich klein?). Dieser Artikel, und einige Begriffe aus dem Glossar, vereinfachen und verallgemeinern auf eine Art und Weise, die mein Blut zum Kochen bringen.
Also nehme ich mir an der Stelle mal die Zeit, den Beitrag auseinander zu nehmen.

Zur Definition der Heiden:
Der Begriff an sich ist eigentlich christlich und ursprünglich eine Beschimpfung aller Andergläubiger. Per Definition ist alles, was nicht christlich ist, eben heidnisch.
Deshalb gibt es auch nicht das Heidentum, vielmehr handelt es sich dabei analog zum Begriff oben für ein Sammelbecken verschiedener Glaubensrichtungen, wie z.B. dem Druiden- oder Keltentum, den Germanen oder auch Wikingern.
Insofern hat der Autor mit seiner Behauptung, das zwei Heiden, die sich treffen, beileibe nicht an dasselbe glauben müssen, sogar recht. Es gibt aber innerhalb aller dieser Richtungen einige Grundzüge, die durchaus identisch sind. Von einem "Religionshistorisches Patchwork" zu sprechen ist daher quatsch, wie sich weiter unten zeigt.

So ist jeder heidnische Glauben naturreligiös orientiert, es werden Jahreskreisfeste gefeiert. Welche Feste dabei welche Bedeutung haben, variiert aber genauso wie die Anzahl und Namen der Götter, die angebetet werden. So ist es an jedem Heiden für sich zu definieren, ob er an einem Gott, einem Götterpaar oder einem ganzen Haufen Götter ("Pantheon") glaubt.
Vor diesem Hintergrund ist jedem Heiden durchaus bewußt, wie es um die Quellen bestellt ist. Die meisten Aufzeichnungen sind in der Tat christlich verfälscht, es stehen selten Originaltexte zur Verfügung - die Kelten haben z.B. keine Aufzeichnungen hinterlassen, vielmehr wurde alles mündlich von Generation zu Generation weiter gegeben.
Deshalb ist es genauso klar, dass es kaum möglich sein wird, einen alten Glauben 100%ig und fehlerfrei zu rekonstruieren, dies ist auch garnicht wünschenwert, weil ein solcher Glaube zur heutigen Zeit keine Antworten bringen würde. (Die alten Kelten waren z.B. nicht zimperlich, wenn es um die Opfer ging, die sie ihren Göttern dargebracht haben, hier wurden auch mal schnell Gefangene und dergleichen verbrannt.)

Die Basis heidnischen Glaubens ist aber in der Tat eine Art Zivilisationskritik, die sich darauf beruft, dass wir mit der aktuellen Entwicklung auf einem falschen und sogar gefährlichen Weg sind. Wir sind nicht dabei, uns von unserer Natur zu entfremden, sondern auch von uns untereinander. Und an der Stelle verwehre ich mich davor, rechtsradikale Floskeln wiederzugeben.
Vielmehr hat die industrielle Revolution und einige andere Dinge dazu beigetragen, dass wir heutzutage eine Reihe von Problemen haben, die der Lösung bedürfen, und viele Menschen spüren, dass diese Lösung nicht vom Christentum kommen wird, da dieses teilweise selbst ein Grund für die Probleme ist.
Deshalb aber verteufeln Heiden das Christentum und seine Anhänger nicht per se, auch wenn es natürlich hin und wieder das Ziel einiger Bemerkungen ist. ;-)
Die Kirche und das Christentum wird sich aber irgendwann auch seiner Veranwortung vor der Geschichte stellen müssen, und sich diese Bemerkungen gefallen lassen müssen.

Heidnische Grundzüge werden heute aus den Arbeiten der Geschichts- und Religionswissenschaftler gezogen, auch die Fabel- und Mythenwelt der alten Kulturen sind Quellen für die Glaubensgestaltung. Hier sei z.B. daran erinnert, dass das Christentum viele Feste übernommen hat. Auch damalige Zeitzeugen werden hinzugezogen, wie oben bereits angesprochen mit dem negativen Beigeschmack, dass die Aufzeichnungen christlich verfremdet wurden. In einigen Teilen Europas haben sich auch bestimmte Bräuche durch die Jahrhunderte erhalten, z.B. in der Britagne und Irland.
Das aber alle Heiden sich lediglich auf die Edda beziehen würden, die germanischen Ursprungs ist, ist schlichtweg falsch.

Irrationalismus
Jetzt fängt die Sache an spannend zu werden. Heiden sind also irrational, weil sie sich auf Dinge berufen, an die man glauben muß? Dann erkläre mir mal bitte einer den Unterschied zum Christentum, da scheint es ja anders zu sein? Ich habe auch im Gottesdienst schon die Worte "Geist" und "Seele" vernommen...
Ich kenne keinen Heiden, der z.B. die Wissenschaft ablehnen würde, auch wenn sich hier die eine oder andere Kritik anbringen läßt.
Was ist denn Glaube? Glaube bzw. auch Glaubensinhalte sind etwas, was man wissenschaftlich nicht erfassen kann, es fehlen z.B. Meßgeräte für das Göttliche, und auch die Seele kann man wissenschaftlich zwar definieren, aber nicht anmessen. Das dies dazu führt, dass viele Wissenschaftler uns als eine hormongesteuerte Ansammlung von Atomen und Molekülen bezeichnen ist eine andere Sache, die zerstörerische Wirkung dieser Aussage ebenfalls.
Was bleibt, wenn es um Glauben geht ist also das Gefühl. Das Gefühl zu spüren, ob man irgendwo gut aufgehoben ist, das Gefühl die eigene göttliche Flamme in sich zu spüren. Wenn ein Christ sich z.B. dem Buddhismus anschließt, tut er das nicht aus einem Wissen daraus, sondern eher, weil ihm (oder ihr) die Religion mehr zusagt.
Und außerhalb der von uns Europäern definierten Realität gibt es durchaus den Punkt, wo Glaube zu Wissen werden kann. Bestandteil aller naturreligiösen Bräuche sind Rituale, die einen bestimmten Zustand ermöglichen. Dieser Zustand ermöglicht z.B, religiöse Erfahrungen zu machen. Als Beispiel sei hier die Anderswelt gemeint, die in allen schamanischen Glaubensrichtungen als Ort beschrieben wird, in dem Zeit und Raum keine Bedeutung haben. Für uns ist dieser Ort meßtechnisch nicht erfaßbar, und erst die schamanische Realität macht ihn erlebbar.
(Kleiner Exkurs am Rande, von wegen Glaubensgrundsätze: Aktuellen Forschungsergebnissen zur Folge hat sich der Schamanismus vor über 30.000 Jahren im Bereich Russlands entwickelt, und hat sich daraufhin über die ganze Welt verbreitet.)

Was die Behauptung angeht, Heiden würden an das Glauben, was ihnen serviert wird, so glaube ich eher, dass dies auf viele Esoteriker zutrifft. Für viele Heiden gilt der Grundsatz, dass sie für ihr eigenes Leben selbst verantwortlich sind, sie stehen z.B. diesen sogenannten "geistigen" Quellen skeptisch gegenüber. Ich habe eigentlich noch keine Aussage wie "Das habe ich von einem Geist gesagt bekommen", an der nicht irgendwie das Versprechen an ein besseres Leben gebunden war. Hinten angeheftet ist dann auch meistens ein Überweisungsträger.

Das hier Däniken zitiert wird, soll wohl auch nur dazu dienen, das Heidentum als solchen zu diffamieren. Ich kenne die Arbeiten Dänikens und weiß, was ich davon zu halten habe. Ich habe übrigens auch von Rechtsradikalen gehört, die glauben, dass die Erde eine Hohlwelt ist, in der sich Adolf mitsamt einer Flotte Ufos kurz vor Ende des WW2 zurück gezogen hat. Auch da weiß ich, was ich davon zu halten habe.

Auf den Abschnitt "Antimodernismus und Zivilsationskritik" habe ich gar keine Lust richtig einzugehen. Erstens ist wohl den meisten Heiden bewußt, das damals eben nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen war, noch propragieren wir eine Zurück auf die Bäume-Mentalität. Und es ist mir zu blöd, mich mit Esoterikern in einen Topf werfen zu lassen.
Ich denke, ich werde die Tage mal bloggen, worin sich diese Kritik genau begründet, das sprengt nämlich den Rahmen dieses Beitrags.

Genauer möchte ich aber auf den Anfang der zweiten Seite des Beitrags, da schlägt der Autor dem Faß nämlich den Boden aus:
Den Vorwurf, dass die (religiöse) Weltsicht, die das Heidentum vertritt, eine gewisse Nähe zu rechtsextremen Weltanschauungen aufweist, muss es sich aber durchaus gefallen lassen. Denn umgekehrt ist festzustellen, dass fast alle Neonazis in irgend einer Weise esoterische oder heidnische Überzeugungen hegen.
Ich weiß nicht, wo der Autor etwas über Umkehrschlüße gelesen hat, ihm sollte aber klar sein, dass diese nicht immer angesagt sind. Aber wir können das gerne historisch klären: Das Heidentum hat eine teilweise 300jährige Entwicklung hinter sich, streng genommen war es zwar eine große Zeitspanne hindurch unterdrückt, aber in vielen Familien wurden unter dem Mantel der Verborgenheit naturreligiöse Praktiken gelernt und gelebt.
Dann kommt anfang des 20. Jahrhundert Adolph mit seinen Mannen, träumt seinen perversen Traum einer Arierrasse mitsamt eines eigenen Glaubens. Er nimmt sich aus den Bereichen, die ihm gerade zusagen das, was er braucht, und publiziert es als arischen Glauben.
Und weil auch heute noch viele Nazis heidnische Glaubenszüge tragen, ist das Heidentum falsch? Wie cool ist das denn...

Es stimmt, was die einzelnen Naturrelgionen angeht, so sind diese lokal verschieden, einfach weil sich die Natur ändert. Deshalb ist der naturreligiöse Glaube hierzulande auch anders als der in Lapland oder in der Sahara. Aber kein Heide würde aufgrund dieser örtlichen Gegebenheiten auf einen biologischen Unterschied bei Menschen und dadurch auf unterschiedliche Rassen schliessen - außer eben Rechtsradikale.
Heiden verehren das Leben, dabei ist es egal, in welcher Form es daher kommt, ob es pflanzlicher oder tierischer Natur ist, viele Schamanen glauben sogar an die Beseeltheit der Steine und achten diese auf ihre Art. Heiden glauben auch, dass es eine Verbindung allen Lebens gibt. Ein solcher Glauben hat keinen Platz für Rassen oder sogar Hierarchien, er ist in seinem ureigensten Sinne basisdemokratisch oder anarchisch, das Führerprinzip oder ein Herrenvolk gehört hier nicht her.

Also nochmal: Es mag Nazis geben, die sich als Heiden bezeichnen, aber ob sie diese Bezeichnung verdient haben, steht auf einem anderen Blatt. Auf jeden Fall sind Heiden keine Nazis.

Und ich würde keine Nazis in meinem Kreis akzeptieren.

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