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Retro-Computing

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Timekeeper für Sun IPX -- oder doch: Pimp my IDprom

Seit einigen Jahren steht bei mir eine Sun IPX in der Ecke. Ich mag das Design dieser Maschine, die das würfelförmige von Apples Cube bzw. dem Mac Mini um mehr als ein Jahrzehnt vorweg nimmt. Und die in Himmelblau abgesetzten Füße finde ich echt putzig. :-)
Auch im Innern ist die Maschine echt elegant: Wenn man die Diebstahlsicherung hinten abschraubt kann man das Gehäuse mit einem gezielten Handgriff öffnen. Dabei hebt man praktisch den Deckel mitsamt Netzteil, Festplatte und Diskettenlaufwerk ab, und blickt dann auf ein sauberes Mainboard.
Die Maschine hat natürlich, wie alle alten Workstations, eine lange Geschichte hinter sich. Sie stammt aus dem universitären Umfeld und wurde dort irgendwann aussortiert. Ich bekam sie von einem Arbeitskollegen angeboten, damals mit einem der kultigen 21" Festfrequenzmonitore von Sun, die man über eine kleine Fernbedienung justieren konnte.
Leider stellte sich alsbald heraus, dass das IDprom der Maschine am Ende war. Dieser kleine Chip speichert eine Reihe von Daten, die die Maschine beim Betrieb braucht. Neben einiger sekundärer Konfiguration zählt da u.A. die MAC-Adresse der Netzwerkkarte zu. Ohne dieser wird der Netzwerkbetrieb aber schwierig. Der Chip ist meiner Meinung nach eine kuriose Konstruktion: Auf einem kleinen RAM sitzt eine Uhr - die Systemuhr - und: Eine Lithiumbatterie! Diese Batterie läuft immer, wenn das System abgeschaltet ist und keine Spannung anliegt. Wiederaufladen kann man sie aber nicht...
Nun ist mein IDprom (der Chip selbst nennt sich "Timekeeper") defekt, und die IPX deshalb mehr ein Dekostück. Zwischendurch habe ich immer mal nach einzelnen Timekeepern geschaut, ihre Typenbezeichnung ist M48T02. Gestern fand ich dann überraschend eine Auktion auf ebay.de, die ganz überzeugend aussieht.
Meine Freude ist mittlerweile verraucht, denn die seit 2004 aktuelle Version des NVRAM FAQs sagt zu diesen Chips folgendes:
Please note that newer M48T02 chips will not work properly in sun4c machines. Unfortunately, the SGS-Thomson has changed the specifications of the M48T02. More information is available at http://www.sunhelp.org/pipermail/rescue/2001-May/024561.html. Steve Powers has also provided a partial workaround http://www.squirrel.com/powers_email.txt
Der genannte Workaround ist aber keine Lösung, denn ich möchte die Maschine schon mit Monitor und Tastatur betreiben. Na gut, dann hole ich eben doch ein paar scharfe Messer und meinen Lötkolben raus, und folge dieser etwas rabiaten Anleitung. Ich werde meinem NVRAM aber eine Halterung für die Batterie verpassen, ich habe noch das ein oder andere defekte PC-Mainboard zuhause liegen.
Jetzt ist wieder Herbst, und der Winter kommt erst noch. Die richtige Zeit für schöne Hardware-Projekte...

Montag, 29. September 2008

Kommt alles anders - oder: Ich bin jetzt Atarianer

Sonntag war ich wie angekündigt auf der Classic Computing in Moers. Die Veranstaltung war genial, auch wenn dem Sonntag ein paar Besucher mehr nicht geschadet hätten. Das Interesse für klassische Computer war aber da, und einige Besucher konnte man bedauern äußern hören, das sie ihre alten Schätzchen abgegeben oder sogar auf dem Schrott entsorgt hatten.
Es war auch (fast) alles da an klassischen Geräten: Commoder PETs, und natürlich deren Nachfolger C64 und Amiga, die Familie der Z80-basierten Heimcomputer (Sinclair, etc.) und sogar einige PCs.
Für mich als Liebhaber der Acorn-Computer (mich hörte man mehrmals "hätte ich den bloß nicht abgegeben!" sagen) war es eine Freude, einen Archimedes A3000, einen A5000 und einen RiscPC zu sehen. Gerade letzteren finde ich wegen seiner CPU-Karte und dem aufrüstbaren Gehäuse nach wie vor genial. Mal davon abgesehen, dass RiscOS einfach ein schönes Betriebssystem ist.
Eindrucksvoll anzusehen waren die Amigas, die auch mit heutigen Maschinen schritt halten können. Diverse Amiga-Tower mit Upgrade-Karten und dem aktuellen AmigaOS 4.1 zeigten, dass Amiga ziemlich gut mit heutigen Technologien klar kommt. So hat das AmigaOS dem OS X gleich gezogen und stellt einen Großteil der Oberfläche über die 3D-Karte da, Goodies included. Außerdem sieht das AmigaOS recht gut poliert und aufgeräumt auf, und der eingebaute CPU Emulator stellt sicher, dass auch alte Software-Titel laufen und sich nahtlos ins System einbinden. Ich hatte nie einen Amiga, weil ich mich eben auf die Acorns gestürzt habe, finde es aber gut, dass eine alternative Platform wie der Amiga so gut läuft. Und mit dem SAM 440 EP gibts ein neues Motherboard, auf dem AmigaOS seinen Dienst verrichtet. (Seit einer Weile gibt es aber auch das Efika, auf dem zumindest MorphOS läuft.)
 
Interessant war für mich, dass man auch einige Workstations aus dem Hause SGi zu sehen bekam, so waren zwei Indigos und eine Octane vor Ort. Nachdem ich die Maschinen gesehen hatte und erleben durfte, dass sie, dank intelligentem Hardware-Design, auch noch heutige Anwendungen vor allem aus dem 3D-Bereich noch gut stemmen konnten, blieb meine Octane schonmal im Auto. Es sollte nicht das einzige Stück Hardware bleiben, das ich wieder mit nach Hause nahm...
Mit den Veranstaltern hatte ich am Eingang abgesprochen, meine Hardware nach dem offiziellen Ende um 16:00 Uhr auszuladen. Ich packte also meine Sammlung aus, als alle anderen anfingen einzupacken. Leider erst danach stellte sich heraus, dass auf der fast 20 Meter langen Tischreihe gespendeter Hardware recht viel Atari Hardware lag -- vor allem leicht zu bekommender Atari Hardware. Meine Einschätzung, ein Atari Laserdrucker könnte ein Schätzchen sein, war falsch. Auch die Mega STs sind in der Szene noch Massenware, im Gegensatz zu Falcon und TT. Gut, die beiden Maschinen sind auch was zum ansabbern.
Nachdem ich also alles ausgeladen hatte kristallisierte sich schnell heraus, dass der Verein zwei Atarianer hat, die beide recht gut ausgestattet sind. Ich lernte Jens kennen, und er stürzte sich mit Kennerblick auf die Teile, die ich mitgebracht hatte. Dann liess ich fallen, dass ich alles, was nicht wegging, wieder mitnehmen würde. Das Ende vom Lied war, das er mir zeigte, was ich alles brauchte und seine Hilfe anbat. Ich muß gestehen: In mir machte sich Begeisterung breit, mein kleines klassisches Computerherzchen macht eine paar Sprünge, und ich ließ mir gerne aus dem ganzen Stapel der Disketten die notwendigen Treiber-Disketten für SCSI Controller, Festplatten und Grafik-Adapter heraus suchen. Eigentlich hatte ich mir die Ataris besorgt, weil ich darauf ein Sparemint aufsetzen wollte. Das Projekt ist jetzt wieder aktuell geworden. :-)
Im Enteffekt lud ich mir wieder das Auto voll, bis auf das Powerbook Duo210 nahm ich alles wieder mit.
Dafür kann ich mich jetzt wohl als Atarianer im Training bezeichnen.

Wichtiges/Interessantes aus anderen Blogs:

Netzfilter: Unbrauchbar und schädlich
<p>Sueddeutsche.de hat den Dresdner Informatik-Professor...

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