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Freitag, 22. Juni 2007

Von Null auf Brechreiz in unter fünf Minuten - Privatfernsehen hab Dank!

Gestern abend noch kurz in die Glotze geschaut. Pro7 lief. Und da fing "Das Modell und der Freak" an. Ja, die Sendung hielt, was der Titel schon verspricht. Ein hippes Modell soll am Rande der Gesellschaft stehende Individuen wieder Salonfähig machen.
Für viele mag das nach "Resozialisation" klingen, für mich klingt das eher nach einer Rückführung in eine im Gleichschritt marschierende Gesellschaft, dem Aufdrücken des gerechten Normenstempels.

Und es stellt sich die Frage, wo die Produzenten Menschen her bekommen, die sich so erniedrigen lassen. Die Produzenten haben ihn doch schon ausgesucht, um eine bestimmte Reaktion hervorzurufen. Sowas wie eine perverse Faszination, ein solches Exemplar zu betrachten.

Das erste Kurzinterview habe ich dann schon nicht ausgehalten:
"Wo wird man als Mann wie ich schonmal von so einer Frau wahrgenommen und sogar angesprochen", spricht er halb aufgelöst und gerührt in die Kamera.
Und ich möchte ihm entgegen schreien: "Hallo? Hast Du ein Rad ab? Die Frau spricht nicht mit Dir, weil sie Dir einen Gefallen tun will. Die wird dafür bezahlt. Und sie kommt dafür ins Fernsehen. Sie kann ihr Gesicht zeigen, und ihren Körper. Und hoffen, danach in einer anspruchsvolleren Sendung arbeiten zu können."

Ich halts nicht aus, die völlig gesellschaftsverblödenden Konformitätssendungen.
SPOn bezeichnet das übrigens als TV-Zirkus. Auch sehr schön (und lesenswert).

flickr: Zensur in Deutschland

Die Inhalte des "flickr Censorship"-Zwischenfalls sind wahrscheinlich hinlänglich bekannt, deshalb werde ich hier nichts mehr dazu schreiben. Wer möchte, kann mal danach googlen.

Es entbehrt nicht jeglicher Ironie, das Deutschland sich bei flickr nun mit Staaten in einem Satz genannt sieht, die für ihre mangelnde Meinungsfreiheit bekannt sind. Aber ist das umgekehrt verwunderlich?
Seitdem Deutschland das Internet erkannt hat, und einige sich überlegt haben, dass es einen "rechtsfreien", quasi anarchistischen Raum nicht geben darf, selbst wenn der eher virtuell ist, hat es die ärgerlichsten und auch witzigsten Gerichtsurteile gegeben.

Z.B. haben wir da das "Heise Foren-Urteil, oder auch die Mitstörerhaftung. Wobei beides zusammengehört, da man als Anbieter einer digitalen Dienstleistung verloren hat, sobald ein Kunde irgendwas gemacht hat, was man als ungesetzlich/sittenwidrig bezeichnen könnte.
Wenn also ein Kunde eine "Störung" verursacht, ist man als Anbieter ein "Mitstörer" und kann in die Pflicht genommen werden. "Mitstörer" ist natürlich frei definiert, also ist es im Auge des Anklägers, und des Gerichts.
Nun hat die jüngste Geschichte erwiesen, das staatliche Rechtsorgane nicht qualifiziert sind, über Technik zu richten. Wir haben also eine Rechtssprechung, die völlig an der Realität vorbei ist, und die praktisch Anbieter mit einem Bein ins Kittchen steckt.

Vor dem Hintergrund kann ich flickrs Reaktion schon verstehen, da nicht auszuschliessen ist, dass die Firma über kurz oder lang einen auf den Deckel bekommt. Es gibt große Schreiereien über YouTube, über Bilder, Multimedia-Handies, Gewaltorgien, Killerspiele...
Warum solls dabei nicht auch einen Bilderhoster treffen, der von der Manpower her garnicht in der Lage sein kann, jedes Bild einzeln zu prüfen? Was auch garnicht Sinn der Sache sein kann, dass ein Anbieter sowas tut. Also versichert man sich doppelt: Als Kunde muß ich meine eigenen Bilder raten, und in sensiblen Ländern wird erstmal ein Filter geschaltet, der möglicherweise(!) fragliche Inhalte erstmal wegzensiert.

Natürlich sind deutsche flickr-User die Leidtragenden. Das eigentliche Ärgerniss ist aber nicht flickr, sondern eine abstruse Rechtssprechung.

Law Wars V: The Copyright-Lobby strikes back

Während der heißen Phase des G8-Gipfels war es mit anderen Themen hier in diesem Blog recht mau bestellt. Vor allem bei meinem "Lieblingsthema Urheberrecht" herrschte Stille. Da haben wohl einige Parteien die Zeit für sich genutzt...

Sie haben "nachgedacht". Wobei "nachdenken" bei einigen wohl bedeutet, dass sie sich überlegen, wie sie möglichst viel Geld scheffeln. Zumindest kommt der Eindruck auf, wenn ich mir die Idee zum Broadcast Right anschaue.
Also beim Urheberrecht sind sich ja fast alle einig: Wer etwas erschafft, der hat das Urheberrecht dafür, und beauftragt in Folge vielleicht irgendeine Organisation mit der Wahrung seiner Interesse. Oder aber man tritt das Urheberrecht an irgendwelche Verleger und so ab.

Neu ist die Idee bei obigem Vorschlag: Demnach geht das Urheberrecht auf denjenigen über, der das Machwerk weiter verbreitet. Die Inhalte meines Weblogs stehen ja unter der Creative Commons und können recht frei verwendet werden. Dies ist auch ausdrücklich erwünscht. ("Spread the word.")
Wenn nun, sagen wir mal ein Radiosender, auf die Idee kommt, einen meiner Beiträge zu bloggen, hätte nach dem Broadcast Right der Sender das Urheberrecht. Und könnte mich als Urheber dazu zwingen, die Creative Commons-Lizenz zu entfernen.

Coole Nummer...

Wichtiges/Interessantes aus anderen Blogs:

Netzfilter: Unbrauchbar und schädlich
<p>Sueddeutsche.de hat den Dresdner Informatik-Professor...

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