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zuckerwattewolkenmond - 6. Mai, 19:43

Klar...

gibt es auch animalischen Sex und da sind die "härteren" Begriffe sicher passender. Aber den Autoren ging es auch darum zu zeigen, daß es Kulturkreise gibt, in denen Sex zumindest in der Geschichte teilweise als etwas Heiliges gelebt wurde, eng mit der Religion verknüpft war, wo man noch über die starken inneren Kräfte wußte, die mit der Sexualität freigesetzt werden und diese mit geistiger Ekstase verband. Nun ist das Zitat bei mir natürlich etwas aus dem Zusammenhang gerissen, da es mir nur um die Begriffe ging, allerdings hätte ich nicht gedacht, daß es so viel Aufregung verursacht, zumal es auf die Geschichte bezogen absolut richtig ist (und es gibt manch andere Stelle in dem Buch, die man viel eher angreifen könnte). Ich kenne in Europa mit Beginn der Christianisierung keine Religion, zumindest keine, die nicht von der Kirche verfolgt und unterdrückt wurde, die Sexualität zur Verbindung mit dem Göttlichen genutzt hat. Und ich denke mir, daß die vielen Jahrhunderte, in denen Sexualität dank der Kirche als etwas sündiges angesehen und abgelehnt wurde, auch heute noch seine Folgen zeitigt. Natürlich wähnen wir uns alle heutzutage super aufgeklärt und unverklemmt. Wenn aber Sexualität noch immer nur im Zusammenhang mit Triebbefriedigung und Pornografie, nicht aber im Zusammenhang mit Religion und Gott akzeptiert wird, was sagt das dann über uns aus? Wir kennen zwar östliche Tantrakurse, aber alles das sind nette exotische Spielereien, um keine Langeweile aufkommen zu lassen usw. usf., ich glaube, die wenigsten ahnen, was wirklich dahinter steckt. Nun kann man sich darüber streiten, ob Tantra spirituellen Nutzen bringt, aber Tatsache ist, daß diese Techniken bis heute nur in Asien existiert haben und es dort eben keine Kirche gab, die entsprechende Praktiken verboten und verfolgt hat. Und wenn die meisten Leute, mich eingeschlossen und die Mehrzahl der Asiaten, heute solche Begriffe wie "Jadegrotte", Himmelsbote" usw. einfach nur albern oder peinlich finden, was sagt das dann über unsere Einstellung zur Sexualität aus? Manchmal kommt es mir so vor, daß Sex, trotz all der Aufklärung, noch immer lieber als etwas schmutziges gesehen wird, poetisch darf er vielleicht in Liebesromanen sein, allerdings nicht allzusehr, dann wird es ebenfalls schon wieder peinlich, Sex wird weder gerne als etwas poetisches noch als etwas göttliches gesehen. Vielleicht deshalb, weil es schnellere und einfachere Befriedigung verspricht, aber vielleicht auch deshalb, weil wir noch immer irgendwelche Tabus im Kopf haben. Diese sogenannte sexuelle Freizügigkeit ist damit nichts anderes, als eine andere Form der Verklemmtheit, das genaue Pendant zur Prüderie, die Sex völlig ablehnt. Die elementaren Gesetze besagen, daß zu jeder Bewegung eine exakt genaue Gegenbewegung erfolgt, insofern ist die heutige triebhafte Freizügigkeit eine logische Gegenbewegung zur Verdammung der Sexualität in der Vergangenheit. Allerdings bedeutet das noch lange nicht, daß wir schon Harmonie erreicht haben, es ist ein Extrem, das auf ein anderes Extrem folgt, und uns so unmerklich beeinflußt, daß alles, was wieder in Richtung Vergeistigung geht, uns unangenehm aufstößt, meine ich. So, ich dachte eigentlich, ich kann mir die Schreiberei sparen, aber das mußte jetzt doch mal gesagt werden. ;o)

cptsalek - 7. Mai, 12:46

Volle Zustimmung

Wir sind mit unseren Meinungen garnicht so weit auseinander, wie das vielleicht scheinen mag. Mein Kernpunkt ist letzten Endes, dass die direkten Worte, um die es hier ging, nicht direkt etwas mit der Sexualfeindlichkeit der Kirche zu tun hat. Vor allem letzteres will ich hier garnicht in Abrede stellen.
Mit Deinem Kritikpunkt, dass Sexualität etwas Göttliches ist, hast Du recht, in dem Zusammenhang habe ich das von Dir gebrachte Zitat garnicht gesehen. Ja, Du hast recht, die Komponente fehlt bei uns.
Wobei ich mich da als Heide mal rausnehmen darf, aber genau das ist ja ein anderer Glaube. Und zwar einer, der in der Vergangenheit verfolgt wurde. ;-)
Also ja: Sex, egal in welcher Spielart ist etwas heiliges.

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