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Das Internet als nicht-rechtsfreier Raum

Ich staune immer wieder über die Ansichten, die manche zu haben scheinen, wenn es um Internet, oder auch Online-Spiele geht. Für die Recherche zu meinem letzten Beitrag bin ich durch Zufall über den Artikel "In der Praxis herrscht eher Anarchie" bei Spiegel Online gestossen.

Und wundere mich:
Lober: Doch, die Gesetze gelten grundsätzlich schon, auch wenn manche immer noch meinen, dass es sich um einen rechtsfreien Raum handelt. Aber es sind ja echte Menschen, die dort [gemeint ist World of Warcraft] interagieren, und für die gelten die echten Gesetze. Sie finden nur nicht immer Beachtung.
Nein. WoW ist ein Online Rollenspiel. Dort interagieren von Menschen gesteuerte Charaktere. Das ist ein signifikanter Unterschied.
Es hat auch schon Verfahren gegeben, weil jemand in "World of Warcraft" beleidigt worden ist. Auch einen Betrug müssen Sie nicht einfach hinnehmen, sondern können dagegen vorgehen.
*lol* Ich spiele zwar kein WoW, aber jeder, der sich bei sowas auf den Schlips getreten fühlt, sollte die Finger von solchen Sachen lassen.
SPIEGEL ONLINE: Kann denn unser Zivil- und Strafrecht, dessen Grundsätze aus dem 19. Jahrhundert stammen, diese neuen Konstellationen erfassen?

Lober: Grundsätzlich schon. Aber natürlich gibt es auch Probleme, etwa beim Diebstahl. Das Strafgesetzbuch erfasst nur körperliche Gegenstände. Was aber ist mit einem virtuellen Spielfigur-Schwert, das mir gestohlen wird?
*hihi* Das wird der Knaller. Also folgende Situation:
Ein Spieler spielt einen Dieb, das ist im Rollenspiel eine weit verbreitete Charakter-Klasse. Die Charaktere haben meistens Fähigkeiten, die es ihnen ermöglichen, sich leise und flink zu bewegen, sie sind sehr geschickt mit ihren Händen. Dafür läßt die Kraft meistens zu wünschen übrig. Ähnlich wie andere Berufe auch muß der Charakter(!) das Diebeshandwerk erlernen. Dafür muß er Zeit investieren. Entsprechende Ausrüstung muß gekauft oder anderweitig besorgt werden.
Okay, dieser Dieb geht nun hin und klaut einem anderen Charakter(!) etwas. Nehmen wir mal an, dabei handelt es sich um einen Kämpfer.
Dann hat der Kämpfer innerhalb des Rollenspiels die Möglichkeit, entsprechend darauf zu reagieren. Er kann sich also z.B. seine Keule, oder was auch immer er als Zweitwaffe mit sich rum schleppt, auf den Weg machen und dem Dieb ordentlich einen vor den Latz hauen.

Aber eine Anzeige? Ich bitte Euch, wie albern ist das denn?

Möglich sind in einem Online-Rollenspiel dann nämlich auch solche Sachen:
  • Zauberer/Magier werden wegen Hexerei vor Gericht gestellt. Ist selten, kommt heutzutage aber immer noch vor.
  • Ein Meuchelmörder wird wegen Mordes vor ein Gericht gestellt und verurteilt. Kann froh sein, wenn er kein Ami ist...
  • Kämpfer werden wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz angezeigt. Nach gültigem Gesetz ist zumindest das mit sich führen von Stangen-, Schlag- und Hiebwaffen wie Schwerter, Äxte, Beile und Stöcken verboten
  • Heiler und Alchimisten werden wegen Drogenbesitzes, Dealerei und dergleichen angezeigt, weil sie Heiltränke mit psychoaktiven Substanzen brauen können.
Ich glaube die Beispiele sollten reichen, um zu zeigen, wie lächerlich die Anwendung von Gesetzen aus der physischen Welt auf eine virtuelle Fantasy-Welt ist. Aber mich interessiert, was Ihr noch für Beispiele habt. Also: Her mit Euren Kommentaren!

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